Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1655295
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XVI. 
Reformation. 
An Melanchthon fcheint {ich Dürer überhaupt innig an- 
gefchloffen zu haben. Auch diefer fühlte {ich von dem ge- 
dankenreichen Künftler mächtig angezogen. Zum erften- 
male begegneten fie einander vermuthlich im Jahre 1518. 
Auf die Empfehlung feines Vetters Reuchlin war Melanchthon 
damals vom Kurfürften Friedrich nach Wittenberg berufen 
worden. Auf feinem Ritte von Tübingen dahin kam er über 
Nürnberg. Bei Pirkheimer lernte er da wohl zugleich Dürer 
kennen, wenn auch der Freundfchaftsbund mit diefem erft 
bei Melanchthons zweiter und dritter Anwefenheit in Nürn- 
berg 152 5 und I 526 enger geknüpft wurde. Wir ver- 
danken diefem Verhältniffe, in welches alsbald auch Joachim 
Camerarius hineingezogen wurde, die Ueberlieferung einer 
Reihe der denkwürdigften Ausfprüche von und über Dürer. 
Es ifi für die Gemüthsart beider Männer ebenfo ehrend, 
wie bezeichnend. Je fchroffer in Nürnberg die Meinungen 
auf einander platzten, defto wohlthätiger mochte die milde, 
vermittelnde Haltung Melanchthons auf den gleichgefiimmten 
Dürer wirken; denn xMagiPrer Philipp, fagt ja Luther felbft, 
fzihret fauberlich und fülle daher, bauet und pflanzet, fäet 
und begeufst mit Luft, nachdem ihm Gott gegeben feine 
Gaben reichliche Und fo hat ihn auch Dürer im Jahre 
1526 in Kupfer geitochen: baarhäuptig, die hochgebaute 
Stirne vorwärts geneigt, mit einem feinen, dialektifchen 
Lächeln, dafs wahrlich allzubefcheiden die Unterfchrift er- 
fcheint: 
Viveniis potuit DIWGIiUS ora. Philippi, 
Mentenl nQn potuit pingere docta manus, 
Es ift das beße Porträt, das wir von dem wPraeceptor 
Germaniae, dem Lehrmeifter Deutfchlandse befltzen  
An dem Bildniffe Melanchthons mag Dürer freilich mit 
ganz anderen Gefühlen gearbeitet haben, als an dem des 
Erasmus von Rotterdam (B. 107), das er in demfelben Jahre 
1) Bartfch Nr. 105. Die Platte 
exifiierte noch 1802 in Nürnberg, 
Eye frägt darnach im Anzeiger 
d. Vorz, 1864, XI, I6.
        

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