Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654990
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XVI. 
Reformation. 
Die 
altar, auf deffen Stufen links ein Engel in priefterlichem 
Gewande fteht, das Rauchfafs fchivingend und eine fchrift- 
liche Botfchaft von einem zu ihm herabfchwebenden anderen 
Engel empfangend. Weiter vorne fteht inmitten des Kirchen- 
fchiffes ein dritter Engel eifrig in ein Buch fchreibend. 
Während fo der Altar und Chor durch die Engel gefchützt 
wird, ift der Mittelgrund des Schiffes mit Teufelsfratzen be- 
völkert, deren Formen an die ähnlichen Gebilde des Hierony- 
mus Bofch und der Brueghel erinnern. Zu beiden Seiten 
reihen {ich andächtig Betende, denen die verfchiedenen 
Teufelchen mit Verfuchungen nahen, indem fie ihnen deren 
Embleme entgegenhalten, dem einen den Geldfack, dem 
anderen einen Becher, dem dritten ein hübfches Weiblein, 
dort ein Brathuhn am Roft, hier ein im Baue begriffenes 
Haus. Nur vereinzelt fchwebt dazwifchen links eine Maria 
über dem Halbmond, rechts das Bildchen einer Erlöfung 
aus dem Fegefeuer und eines Engels mit dem Crucifixtis, 
wohl die Vorftellungen derjenigen Beter andeutend, welche 
der Verfuchung widerflehen werden. Die Hauptactetire 
des merkwürdigen Schaufpieles find aber die drei gröfseren 
Teufelsfiguren in der Mitte des Bildes, wo ein grofser 
Schrein, offenbar ein Geldkaften, fteht. Vor deffen ge- 
fchloffener Thür fltzt auf einem Schemel der eine Teufel 
und befchreibt ein Blatt  vielleicht einen Ablafsbrief  
der andere fleht mit einer Bandrolle wie dictierend links 
neben ihm; der dritte aber fchreitet gegen rechts, ganz be- 
packt mit weiteren Sinnbildern der V erfuchung, die er anzu- 
preifen fcheint und an die heranfchwebenden kleineren Gehilfen 
vertheilt. Den Vordergrund hingegen füllen wieder fieben 
liebliche Engelsgeftalten, von jener Art, wie {ie Dürer feinen 
Madonnen zuzugefellen pflegt. Sie find um eine grofse Schrift- 
tafel gruppiert, welche fie aufrecht halten. Die Tafel aber 
enthält von Dürers fefter Hand nur die Worte: wDo fchreibt 
hrein was Ir wolltr und einige kalligraphifche Schnörkel, 
dergleichen wir aus dem Gebetbuche Kaifer Maximilians 
kennen. Die Tafel follte wohl mit einer frohen Botfchaft
        

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