Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654985
Kupferßichfolgen. 
Allegorien, 
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in der Ambrafer Sammlung zu Wien die colorierte Feder- 
zeichnung einer lehrhaften Allegorie, die auch fonfl in der 
deutfchen Malerei, namentlich bei Cranach beliebt ift; {ie 
trägt die Bezeichnung von 1514. Der kleine Amor hat 
eine Honigwabe aus dem Bienenßocke gefiohlen, wird dafür 
von den Bienen umfchwärnit und geflochen und kömmt 
darob wehklagend zu der weil's bekleideten Frau Venus 
gelaufen'). Ganz unverftändlich bleiben die Entwürfe in 
nackten Figuren auf zwei Federzeichnungen des Städelfchen 
lnfiituts zu Frankfurt. Die eine von 1515 zeigt einen Mann 
an einen Baum gefeffelt; hinter demfelben ein anderer, der 
etwas vom Boden auf hebt, dann ein {lebendes Weib, ein anderes 
in niedergekauerter Stellung und eine magere Alte am Stocke 
fchreitend. Auf dem anderen Blatte ein junger Mann und 
ein altes Weib, einen Kandelaber auf ein Poftament fetzend; 
im Hintergrunde drei andere weibliche Figuren, deren eine 
eine Art Weihwedel hält; die Zeichnung ift von 1516. Die 
nackten Geilalten {ind mit Schwung und mit italienifcher 
Freiheit hingeworfen; in ihren fefien, gefpreizten Stellungen 
erinnern {ie an Luca Signorelli. 
Schon aber nahen die Zeichen einer neuen Zeit. Die 
kommende Kirchenreform wirft bereits fchärfer umgrenzte 
Schatten in die Gemüther und unter Dürers Hand gewinnen 
fxe Gefialt, bevor fie {ich noch in das gefprochene, gefchriebeime, 
gedruckte Wort zu kleiden wagen. Aus der Zeit um das 
Jahr 1515 etwa ftammt eine der phantaftifchefien Com- 
pofitionen, die wir von Dürer kennen. Es iPc eine grofse 
Federzeichnung im Mufeum der Stadt Rennes in Frankreich, 
auf welcher das Treiben der böfen Geifter in der Kirche 
gefchildert wird, fo recht eine Ausgeburt des 
Zeitglters 2). Oben im Hintergrunde fleht man 
gährenden 
den Hoch- 
1) Eine alte Copie darnach be- 
findet Gch im Britifchen Mufeum, He 
fiammt aber nicht von Dürers Hand, 
ebenfowenig wie die fonderbare Unter- 
fchrift ßPlatOu mit den darauf fol- 
genden v1Herz-Sch1nerza-Reimen, 
2) Abbildung in phototypifcher 
Reduction in Dürer-Quantin, Tafel 
zu 228 unter dem falfchen Titel: 
wjüngßes Gerichtu.
        

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