Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654979
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XVI. 
Die Reformation. 
fackpfeifer, der an einen Baum gelehnt auffpielt und das 
tanzende Bauernpaar, deffen derbe Lufligkeit einem Brueghel 
Ehre machen würde l). Die beiden Blättchen {incl offenbare 
Seitenftücke; {ie flnd zufammen erfunden und follen zufammen 
betrachtet werden. Trotz des ganz geringfügigen, gewifs 
nicht beabflchtigten Unterfchiedes im Formate und obwohl 
fxe äufserlich durch nichts als folche gekennzeichnet fmd, 
erfcheinen die beiden Stiche jedem unbefangenen Blicke 
doch fogleich als Pendants, verbunden durch gleiche Form- 
gebung und den einfachften Gedankengang. Auch die kleinen 
Apoitel Paulus 2) und Thomas, mit denen Dürer gerade 
auch 1514 feine Apoftelfolge begann, verrathen ja durch 
kein befonderes Merkzeichen ihre Zufammengehörigkeit und 
das Gleiche gilt von der geitochenen Paffion. In diefer 
Beziehung charakteriüert {ich alfo die Folge der Tempera- 
mente ausnahmsweife viel deutlicher als folche, indem die 
Melancholie mit dem vollen Namen und der Ziffer I, der 
Sanguinicus wenigftens mit dem Anfangsbuchflaben be- 
zeichnet iPc. 
Dürers Neigung zum Speculieren und Grübeln erreicht 
überhaupt um das Jahr 1514 ihren Höhepunkt. Die Auf- 
träge des Kaifers Maximilian hatten ihn von den religiöfen 
DarPcellungen, die ihn zuvor ganz erfüllten, mehr und mehr 
abgelenkt. Zugleich war er dadurch nothwendig in viel- 
fache Berührungen mit den Gelehrten am kaiferlichen Hof- 
lager gekommen und mit folchen, die befliffen waren, {ich 
dafelbft bemerklich zu machen. Die Aufforderung zu ge- 
fuchten, allegorifchen Darftellungen drang {o von allen Seiten 
auf Dürer ein. In diefem Sinne bediente er {ich noch aus- 
nahmsweife auch mythologifcher Figuren. So befindet {ich 
1) Bartfch Nr. 91 und 90. Die 
kleinen Platten weichen von einander 
ab in der Höhe um 2, in der Breite 
um x Millim. Die Platte des Sack- 
pfeifers hat fich in fiark retouchier- 
tem Zufiande im Befitze der Familie 
lmhoff bis heute erhalten. 
2) Die Federfkizze zu diefem St. 
Paulus, Bartfch 50, von gleicher 
Gröfse im Gegenflnne befmdet {ich 
in den Uffizien zu Florenz
        

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