Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654896
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XVI. 
Reformation. 
Die 
oben das echte Monogramm und darüber ganz undeutliche 
Spuren einer Jahreszahl  0b 1513, bleibt ungewifs 1). 
Unfere Beachtung verdient das Bildchen weniger um 
feiner künftlerifchen Vorzüge willen, als vielmehr wegen 
jener pfychologifchen Tendenz, die an ihm zuerft hervortritt 
und welche Dürer alsbald in einer ihm ganz eigenthümlichen 
Weife weiter entwickelte. In diefem Sinne begann er be- 
reits 1514 eine Folge von Apoftelgeftalten in Kupfer- 
ftich, die er zwar nie vollendet hat, die ihn aber, wie 
wir fehen werden, über ein Jahrzehnt befchäftigt und ihn 
in Verbindung mit einer anderen damals gefafsten Idee zu 
feiner letzten künftlerifchen That begeifiert. 
Diefe andere Idee ift die Erfchöpfung des Menfchen 
nach jenen vier Kategorien, unter welchen die humaniitifche 
Weisheit jener Tage fein Wefen zu begreifen vermeinte  
nach den vier Temperamenten oder Complexionen. Es ift 
bekannt, welche grofse Rolle die Theorie derfelben feit 
Hippokrates und Galenus in der Heilkunde wie in aller 
Wiffenfchaft gefpielt hat. Natürlich huldigt ihr auch Dürer 
unbedingt. Er erklärt einmal die Urfache der verfchiedenen 
Geiialt der Menfchen geradezu aus den uvier Complexen, 
und die Beachtung derfelben an einem Lehrknaben hält er 
für das erfle Erfordernifs bei deffen Wahl und Einführung 
in die Kunfti). Daher machte er auch felbii die vier Tem- 
peramente zum Gegenitande feines eifrigften Studiums, und 
wir verdanken demfelben. jene Kupferfliche, die ihn zugleich 
I) Katalog, Nr. 29: dei Quadri dl 
diverse scuole: Testa di un Apostolo, 
Aus der Galerie Spannocchi. Auf 
weichem Holz mit Wurmlöchern, H, 
0,32, Br, 248. Links oben blieben 
auch die Refie einer Schrift in rothen 
gothifchen Lettern fichtbar, entweder 
von einer hier wiederholten jahres- 
zahl (wie mB-IJIII wobei auch an 
dritter Stelle ein Z (z X) fein könnte) 
oder von dem Namen ißrmlim  
eine voriichtige Unterfuchung des 
Bildes könnte darüber leicht Auf- 
fchlufs geben, 
2) Zahn, Dürerhandfchriften, Jahrb. 
f, Kunfiw. I. 7: vwir haben man- 
cherley geftalt der menfchen, urfach 
der vir complexem und dafelbft n: 
nItem der erfi: deil lert uns wie der 
knab erlefen und der gefchickiichkeit 
feiner cumplex acht genummen foll 
werden, gefchicht in fexerley weise,
        

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