Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654885
des Menfchen. 
Studium 
Hieronymus. 
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Jefu erfchöpft hatte, vertiefte er {ich nun in die Löfung der 
gemeinfamen humanifiifchen Probleme. Die gläubige, kirch- 
liche Stimmung des MeiPcers wird von einer allgemein menfch- 
lichen, fPCCUlQIlVCII überfliegen. Er fucht zunächü in der 
genauen Durchbildung componierter Männerköpfe geiflige 
Perförllichkeiten, völlige Charaktere zu fchildern. Als ein 
dankbarer Stoff erfchien ihm zu diefem Zwecke Sanct 
Hieronymus. Diefer Heilige ift zwar {tets ein beliebter Gegen- 
{land der Malerei gewefen, fchon weil er auch nackt dar- 
geltellt werden durfte. Für Dürer aber und für deffen Zeit 
und Umgebung hatte der fchriftkundige und doch kritifche, 
der hochgelehrte und doch weltentfagende Kirchenvater 
noch eine befondere Bedeutung. Dürer hat ihn denn auch 
in Kupfer und Holzfchnitt wiederholt dargeftelltz, er hat ihn 
einmal auch faft lebensgrofs gemalt; freilich nicht in einem 
gewöhnlichen Andachtsbilde, fondern blos als Charakterkopf, 
jetzt in der Akademie zu Siena. Es ifl ein müder Greis 
mit langen Geflchtszügen und glatter Stirne, darüber noch 
fpärliches weifses Haar erfcheint; auch fein Bart iPc nicht 
lang. Er ift faft von vorne gefehen und blickt mit kleinen 
braunen Augen, die fchmale Unterlippe etwas vorgefchoben, 
verächtlich nach links herab. 'Dem Kopfe ift noch gerade 
fo viel von Bruft und Schultern hinzugefügt, dafs der reich- 
gefaltete Purpurmantel und die Schnur, an welcher der 
Cardinalshut zu hängen pflegt, den Heiligen kennzeichnen. 
Sie laffen keinen Zweifel darüber, dafs hier Sanct Hieronymus 
dargeftellt ift, wenn auch der Nimbus fehlt und die Art der 
Darftellting befremdet. Es handelt {ich eben um Löfung 
eines Problems, um Seelenmalerei, die mehr zum Nach- 
denken, als zur Anbetung einladet. Doch überwiegt in 
diefem Bilde noch gar fehr das beftimmte Naturftudium. 
Auch die dünnflüffige, doch warme Malweife, im F leifche 
mit der durchfcheinenden Vorzeichnung, deutet eher auf 
die frühere als die fpätere Zeit hin. Das Gewand ift paftofer 
behandelt. Leider find alle Lafuren Pcark abgerieben und 
der fchwarze Grund ift übermalt; doch erfcheint noch rechts 
Thaufing, 
Dürer.
        

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