Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654798
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Die 
Reife. 
Niederländifche 
auf einer unlichtbaren Brüitung aufliegend erfcheinen, zeigt 
Anklänge an die unnütze Häufung gefchwungener Linien, 
dazu der gewohnte Kupferftich leicht verführen konnte. 
Sonft iP: alles reine Natur; der Fleifchton im Kopfe von 
kräftigem Braun und das Ganze von harmonifcher Wärme. 
Mit Ausnahme ganz kleiner Stellen am Halfe ift das Bild 
vollkommen erhalten 1). 
Wer ift der Mann, dem Dürer diefe fo überaus forg- 
faltige Malerei gewidmet hat? Die Bezeichnung mit 1521 
legt es allerdings nahe, an eine der Perfönlichkeiten zudenken, 
deren Bildnifs in den Niederlanden gemalt zu haben fich 
Dürer berühmt. Doch das ift keine Malerei mit geliehenen 
Farben und von fremder Palette. Bei diefer Ausführung 
mufste Dürer wohl den Boden der eigenen Werkftatt unter 
den Füfsen haben, bedurfte er der Mufse und Behaglichkeit, 
die er nur daheim fand. Welch' ein Abftand zwifchen diefem 
Bildniffe und dem im felben Jahre zu Antwerpen gemalten 
Porträte des Bernhard von Reffen in Dresden! Das Madrider 
Bildnifs wird fomit zuverläffig erft in der zweiten Hälfte des 
Jahres nach Dürers Rückkehr in Nürnberg gemalt worden 
fein, und dort müffen wir wohl nach der kernigen Bürger- 
tigur fuchen, welche daffelbe darftellt. Da zeigt {ich aller- 
dings eine grofse Aehnlichkeit mit einem anonymen, freilich 
fpäteren und fehr mittelmäßigen Kupferfitiche, welcher faft 
in derfelben Stellung Hans Imhoff den Aelteren vorftellt, 
doch etwas jugendlicher mit kraufem Haar, darüber eine 
fchwarze Kappe, im Pelzrock und mit beiden Händen ein 
Blatt Papier haltend; aber diefelbe kurze Nafe, fchmale 
Augen, grofses Kinn, volle Lippen und {lark eingeprägte 
Mundfalteni). Vielleicht alfo zeigt uns das mit fo viel 
l) Briefliche Mittheilungen von 
Otto Mündler. 
2) Unterfchrift: vHerr Hans Im- 
hoff, geboren 1461, im Rath 1513, 
gefiorben l 522. Ein Gevatter,Anherr 
u. Uhranherr der dreien Herren Endres 
Imhoff, des Raths und Lofunger zu 
Nürnberga. Oben das XVappen mit 
dem Seelöwen Die Sache gewänne 
noch mehr Wahrfcheinlichkeit, wenn 
wirklich, wie man mir berichtet, das 
Hausbuch Hans Imhoff des Jüngeren 
die Nachricht enthielie, dafs Dürer 
deffen Vater porträtiert habe.
        

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