Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1654685
Brügge und 
Gent. 
205 
und Glafergilde in der Nordlandlirafse noch fah, hat fich 
in Brügge blos das von Jan von Eyck gemalte Bildnifs 
feiner Frau, gegenwärtig in der Akademie, erhalten. Und 
Dürer erzählt weiter: ßDarnach richteten lie mir ein Bankett 
zu, und ich ging von dort mit ihnen auf die Gildeflube. 
Da hatten {ich viele ehrenfefte Leute zufammengefunden, 
fowohl Goldfchmiede und Maler als auch Kaufleute. Ich 
mufste mit ihnen zu Nacht effen; fie befchenkten mich, 
fuchten meine Bekanntfchaft zu machen und thaten mir 
grofse Ehr" an. Und zwei Brüder, Rathsherrn, fchenkten mir 
I2 Kannen Wein und es geleitete mich die ganze Gefellfchaft, 
mehr als fechzig Perfonen, mit vielen Windlichtern heime. 
Mit der gleichen Auszeichnung ward Dürer des anderen 
Tages am 9. April in Gent empfangen: wUnd als ich nach 
Gent kam, da kam der Dekan der Malergilde zu mir und 
brachte mit fich die erften NIeiPcer in der Malerei, fie er- 
wiefen mir grofse Ehr", empfingen mich gar herrlich, boten 
mir ihren guten Willen und Dienft an und afsen mit mir zu 
Nacht. Am Mittwoch (10. April) früh führten fie mich auf 
den St. johannesthurm; da überfah ich die grofse, wunder- 
bare Stadt, darin ich gleich für grofs angefehen warde. In 
diefer gehobenen Stimmung befichtigte er dann M165 
Johannes, T afelx, d. h. den berühmten Genter Altar, das 
Hauptwerk der Brüder Van Eyck, das fie für die Begräbnifs- 
kapelle des Bürgermeiflers jodocus Vyts ausgeführt hatten 
und das {ich jetzt zum Theile im königlichen Mufeum zu 
Berlin befindet. vDas ilt eine überköftliche, hochverftändige 
Malereirr, ruft Dürer aus, wund insbefondere die Eva, Maria 
und Gott Vater find fehr gute. Es ifl bezeichnend für den 
damaligen Gefchmack Dürers, dafs er die grofsen Charaktere 
der oberen Bilderreihe zumeiü bewunderte, die beiden 
fitzenden Hauptfiguren mit den herrlich drapierten Ge- 
wändern und den fchlichten weiblichen Act an der rechts 
Ptehenden Eva; in den figurenreicheren Darflellungen mag 
ihn die gedrängte, noch unvollkommene Compofition wohl 
gellört haben. Darnach bemerkt Dürer, dafs er die Löwen
        

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