Auf dem
Reichstage
Augsburg
15x
Defecten
bewahrt.
auf
der
kaiferlichen
Hof bibliothek
Z L1
Wien
auf-
Eifriger als fein Formfchneider war Dürer felbft auf
die Wahrung feiner Intereffen bei kaiferlicher Majefiät be-
dacht gewefen. Gute Gelegenheit bot ihm dazu feine per-
fönliche Anwefenheit zu Augsburg bei dem denkwürdigen
Reichstage von 1518. Die Nürnberger thaten fich gewifs
darauf etwas zu gute, dafs ihr Meifier beim Kaifer fo hoch
in Gunft ftand; und fie mochten {ich diefem gefällig erweifen,
wenn fie Dürer mit den beiden Vertretern der Stadt zum
Reichstage fandten. So fcheint es wenigfiens nach dem
jovialen Briefe, welchen die gelehrte SchwePcer Wilibald
Pirkheimers, Charitas, Aebtiffin bei S. Clara, an alle drei
gemeinfam richtet: vDen fürfichtigen, weifen Herren Caspar
Nützel, Lazarus Spengler und Albrecht Dürer, derzeit zu
Augsburg, unferen günftigen Herren und guten FfCLlHClCIM.
Kaifer Maximilian plante damals, wie wir fahen, eifriger
denn je an feinen Kunfhinternehmtingen. Der perfönliche
Verkehr mit Dürer mufste ihm daher ganz willkommen
fein. Schon am 28. Juni liefs er fich von ihm porträtieren.
Die geniale Kohlezeichnung, etwas unter Lebensgröfse, be-
findet {ich in der Albertina. Sie zeigt deutlich die befchwingte
Eile, mit der fle entfianden ift, und doch geben die wenigen
fchwarzen Linien das volle, ganze Leben wieder; den fiolzen
edlen Kopf mit dem gewaltigen Nafenrücken, die lachenden
Augen, etwas nach abwärts blickend, den flachen Hut und
das grofse Damafimufter auf dem Kragen der Sommer-
fchaube 1). Beifolgend eine verkleinerte Reproduction der
Zeichnung. Dürer felbft fchrieb rechts oben mit Tinte hin:
wDas ift keifer Maximilian, den hab ich Albrecht Dürer
zw Awgsburg hoch oben awff der pfaltz in feinem kleinen
ftüble künterfett, do man tzalt 1518 am mandag noch jo-
hannis tawffem.
1) Lithogr, von Krammer in L.
Förßers Copien. Von einer fpäteren
Befchmierung der Zeichnung mit XVeifs
kann leicht ab-
und Röthel mufs und
gefehen werden.