Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653948
Kupferßiche. 
Holzfchnitte. 
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gleichen nicht wieder gemacht. Die treue, auf {ich be- 
fchränkte Wahrhaftigkeit, die diefen Darftellungen zu Grunde 
liegt, mufste vollends bei einem Genrebildchen zur Geltung 
kommen, wie die Marktbauern von 1519 (B. S9). Der 
Bauer und die Bäuerin, die ihre Eier und Hühner ausbieten, 
lind köftliche Typen der ländlichen Einfalt und des derben 
Humors, die in der deutfchhiederländifchen Malerei noch 
eine fo grofse Rolle fpielen follten. 
Der ungünftige Eindruck der gemalten und geitochenen 
Marienbilder Dürers aus jenen Jahren beruht nicht auf 
Stumpfheit des Gefühles, wohl aber in einer gewiffen Haft 
und Ungeduld, welche ihm das Studium und das Verweilen 
bei einer minutiöfen Technik verleidete. Durch das an- 
haltende Zeichnen für den Holzfchnitt war er eines breiteren 
Vortrages, eines rafchen Weitereilens gewöhnt. Die zarteren 
Stimmungen einer Erfindung verflüchtigten bei einer lang- 
wierigen Ausführung. Dafs diefelben im erfien Entwürfe 
mächtig walteten, zeigen verfchiedene Zeichnungen von 
Madonnen aus jener Zeit, wie z. B. die grofse Federzeich- 
nung einer in der Landfchaft litzenden Maria mit einem 
Geige fpielenden und flngenden Engel zu ihren F üfsen von 
I 519 in Windfor Caftle. ja die reizvollfte Compoütion diefer 
Art unter Dürers Holzfchnitten fallt gerade in das Jahr I 518. 
Es ift die Maria, von vielen Engeln verehrt (B. IOI). Das 
Chriftuskind auf einem Kiffen Pcehend, den Arm um den 
Hals der Mutter gefchlungen, erfreut fich an dem neckifchen 
Treiben der Kinderengel zu ihren Füfsen; grofse Engel in 
faltigen Gewändern bringen ihm fchüchtern Trauben dar 
oder muficieren; zwei halten oben fchwebend eine grofse 
Krone und über ihnen noch erfcheinen Seraphim. Die 
reiche, anmuthige Compofition zeigt, welchen Auffchwung 
des Gemüthes Dürer noch immer der duftigften Schilderung 
zu widmen vermochte. Der Holzfchnitt war eben damals 
fein Element; die Zeichnung dafür war ihm durch die um- 
faffenden Aufträge des Kaifers zum geläufigften Ausdrucks- 
mittel feiner kÜIIPElCTlfChCII Gedanken geworden.
        

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