Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653834
126 
XIV. 
des Kaifers. 
Dienfien 
den 
nete er eine menfchliche Mifsgeburt, die im Dorfe Ertingen 
zur Welt gekommen war und auf einem gemeinfamen Unter- 
leibe zwei Oberkörper trug. Es ift merkwürdig, wie gefchickt 
Dürer die feltfamen Zwillingsformen {tehend von vorne und 
von rückwärts zur Anfchauung bringt, dafs fie Viel mehr 
drollig als widerlich erfcheinen. Die Federzeichnung, von 
Dürers Hand mit einem grofsen kalligraphifchen Schnörkel 
eingefafst und mit einer forgfältigen Erklärung 1) verfehen, 
behndet {ich in der Univeriitäts-Galerie zu Oxford. Im 
folgenden Jahre I 513 hatte man dem Könige Emanuel dem 
Grofsen von Portugal ein Nashorn aus Indien gebracht, das 
erfte, welches feit den Römerzeiten lebendig nach Europa 
kam. Das Auffehen, Welches das feltfame Ungethüm erregte, 
veranlafste irgend einen Landsmann, der flCh damals in 
Liffabon aufhielt, an Dürer oder an einen feiner gelehrten 
Freunde eine eben nicht ganz genaue Abbildung deffelben 
einzufenden, und Dürer beeilte {ich diefelbe alsbald in einem 
grofsen Holzfchnitte zu veröffentlichen, fammt dem wunder- 
lichen Berichte des Augenzeugen (B. 136; Heller 1904). 
Die Federzeichnung, welche Dürern vorlag, befindet {ich 
noch im Britifchen Mufeum; fie zeigt das Thier im Gegen- 
{inne zum Holzfchnitte links hingewandt und trägt noch die 
Nachricht des Berichterftatters Y). Welcher Beliebtheit {ich 
diefes Bild des Rhinoceros erfreute, zeigt die Reihe der 
Auflagen, welche Dürers Holzfchnitt von 1515 erfuhr. Die 
Doppeldrucke in Clairobscur {tammen aber nicht mehr von 
Dürers Hand. Der Tonftock wurde, wie auch bei einigen 
l) vltem do man zalt nach Crift 
geburt 1512 jor", do ifi ein folch 
frucht im Peyrlant geporn worden, 
wy oben im gemell angezeigt iß, in 
der herren von YVerdenberg land in 
ein dorff Ertingen genannt zw negPc 
pey Reidlingen awff dem zwentzigften 
dag des hewmond und fy wurden 
getawft das eine hawbt Elfpett, das 
ander Margretta. 
2) vlm 1513 Jor acht May hat 
man unferem Künig von Portugall 
gen Lifabona pracht ein folch lebendig 
tir aus India, das nennt man Rhino- 
cerate, das hab ich dir von wunders 
wegen miifen abkunterfeit fchickena 
u. f. f. Zum Schlufs: nDann er ifi; 
W011 gewapent und fehr freidig und 
behent. D2 lir würd Rhinocero in 
greco et latino (genannt), indico vero 
Gomdaa.
        

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