Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652554
XII. 
Gemälde, 
Die grofsen 
ähnlich derjenigen auf dem Kupferftiche von 1504, nur hebt 
er den beffer gebildeten jugendlichen Kopf, der mehr von 
vorne gefehen ifl, mit geöffneten Lippen, dal's die Zunge 
fichtbar wird, wie in freudigem Entzücken empor; dazu 
die abwärts gehaltene, wie zur Abwehr gefpreizte rechte 
Hand und das llatternde blonde Haar, indefs die linke den 
von Eva dargereichten Zweig mit dem Apfel fafst. Eva 
fchreitet lächelnd, etwas vorgebeugt gerade heraus, indem 
fle einen Fufs über den anderen vorfetzt, was die Schlankheit 
ihrer Körperverhältniffe noch erhöht. Dürer liebt diefe 
Fufsftellung für nackte weibliche Figuren, desgleichen eine 
eigenthümliche Spreizung der Finger, welche über das Motiv 
der jeweiligen Bewegung hinaus geht. Sehr fcharf hebt 
flch das helle Fleifch von dem beinahe fchwarzen Hinter- 
gründe ab; es ilt ungemein liüffig gemalt, in grauen Schatten 
fehr zart vertrieben. Dabei ift die Ausführung keineswegs 
kleinlich, ja breiter und weniger gequält, als an den übrigen 
Meiflerwerken Dürers in jenen Jahren; die Haarlocken z. B. 
lind nicht einzeln nachgezogen, fondern durch palloferen 
Auftrag von Lichtpartien viel allgemeiner belebt. Wenn 
die freiere malerifche Behandlung der Bellinffchen Schule 
auf Dürer eingewirkt hat, fo verräth {ich dies am meilten 
in diefem Werke, zu dem er noch in Venedig die Vor- 
ftudien gemacht hatte. Kopf und Formen der Eva deuten 
dahin, die Blätter und Früchte des Baumes lind füdlichexi 
Urfprungs, einige von den Thieren, mit denen er das erlle 
Elternpaar umgiebt, konnte er daheim nicht fo naturgetreu 
fludieren. Neben Adam lieht man einen Eber und einen 
Hirfchkopf  das Studium zu letzterem in Wafferfarben 
kam mit der Sammlung Pofonyi-Hulot in das königliche 
Mufeum nach Berlin  weiter vorne ein Fafanenmännchen, 
fehr gut ausgeführt. Hinter der Eva ift eine Löwin im 
Einfchlafen begriffen, genau nach der Natur gezeichnet; 
auf dem Afte weiter oben fitzt ein grauer, rothgefchwänzter 
Papagei in getreuefter Nachbildung, ein anderer bunter ganz 
oben ifl fchon weniger getroffen; im Vordergrunde unten
        

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