Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653630
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XIII. 
Der 
Künüler 
und 
Men fch. 
Kindheit vom Leben und Leiden jefu empfangen haben, 
gerade auf Dürer zurückzuführen ift. 
Seine ganze Kraft aber wendete Dürer an die Geftaltung 
des Erlöfers felbft. Er fafst Chriftum als die Vollendung 
des ftillbewufsten, doch thatkräftigen Mannes, gleichweit 
entfernt von äufserlichenl Pathos, wie von weichlicher Em- 
pfindfamlqeit. Diefes Ideal arbeitet er dann bis in's Einzelne 
durch und mifst und erprobt es an allen Phafen im Leben 
und Handeln, im Dulden und Sterben bis zu der leidenden 
Verklärung in der Vera Ikon, dem dornengeltrönten An- 
gefichte Chrifti. Befonders ausgeführt erfcheint daffelbe in 
dem Kupferftiche von 1513; die Initiale diefes Capitels 
enthält ein Facfimile aus den Randzeichnungen im Gebet- 
buche Kaifer Maximilians in München von 1515; eine ähn- 
liche Federzeichnung befindet {ich in den Uffizien zu Florenz; 
eine andere, etwas gröfser und von ruhigerem Ausdrucke, 
in der Albertina. Am grofsartigften aber erfcheint die 
Darftellung in dem koloffalen Chrilttlshatxpte, einem berühmten, 
Dürer zugefchriebenen Holzfchnitte'). Obwohl nun diefes 
Werk keineswegs von Dürer felbft auf den Holzftock ge- 
zeichnet oder unter feinen Augen gefchnitten worden ift, fo 
mufs daffelbe doch auf irgend eine, vermuthlich fpäte 
Zeichnung zurückgeführt werden. Ohne eine folche Vorlage 
wäre feine Entftehung ganz undenkbar. Einzelne Derbheiten 
mögen aus einer etwas virtuofen Vergröfserting des Mafs- 
ftabes zu erklären fein. Die Erfindung Dürers kann jedoch 
nicht beftritten werden. Wer immer dann die vernmthlich 
I) Bartfch App. 26. Heller 1629. 
Retberg A, 41. Vergl, Eye, Dürer 
443, 516, Anhang 532; und An- 
zeiger f. K_ deutfcher Vorzeit VIII, 
1361. Die früheflen Drucke in 
Clnirobscur mit einer bräunlichen 
Tonplatte {Iammen erft aus dem XVIL 
Jahrhundert und vermuthlich aus den 
Niederlanden; fxe fmd fehr felten; 
v, Eye befchreibt ein fchadhaftes 
Exemplar, früher in Rumohrs Belitz, 
bei einem Nürnberger Antiquar; ein 
anderes, ganz wohlerhaltenes beützt 
die Alberlina in Wien. Die ge- 
wöhnlichen Drucke {iammen von der 
reflaurierten, an beiden Seiten er- 
gänzten Heizplatte, Eine alte Copie 
darnach mit dem beigefügten Schweifs- 
tuche, Bartfch App. 67. Heller 1628.
        

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