Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652248
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1653621
Das 
Leben und 
Jefu. 
Leiden 
105 
und Holzfchnitten die Momente aus dem Leben jefu fchilderte, 
fle bilden doch nur eine Auswahl der Compofitionen, Welche 
der Meifter überdies in zahllofen Studien und Entwürfen 
dem heiligen Stoffe gewidmet hat. Er fah feine höchfte 
Lebensaufgabe darin, die Gefchichte won der fündigen 
Menfchheit Erlöftingi  wie {ich der Sänger des XVIII. jahr- 
hunderts ausdrückt  iin Bilde nachzudichten. Das Leben 
und Leiden jefu, diefe gröfste aller weltgefchichtlichen That- 
fachen, deren Mafsftab nicht auf dem Boden der Wirklichkeit, 
fondern in den Idealen der Volker gelegen ift, hat er denn 
auch in einer Tiefe erfafst, wie vor ihm und nach ihm kein 
Meifter. Statt des eitlen Bemühens fich in unbeftimmten 
Formen den unbekannten Idlimmlifchen zu nähern, fuchte 
61' beherzt das Heilige im Reinmenfchlicheil auf, über das 
wir doch nicht hinauslcönnen und aus dem uns fchliefslich 
die Quellen der Wahrheit fiiefsen. Von dem realiftifchen 
{lüge der deutfchen Kunft geleitet und nach dem Vorgange 
bchongallers und Wolgemuts fafste Dürer das Wandeln jefu 
auf Erden genau fo auf, als 0b {ich das alles in dem Nürnberg 
feiner Tage, mitten unter feinen Zeitgenoffen zugetragen 
hatte. Das kirchliche Drama, das Paffionsfpiel, das ins- 
befondere in Nürnberg blühte, mochte diefe Art der Auf- 
faffung gar fehr begünüigen. Es liegt aber in dem fcheinbar 
groben Realismus doch auch ein gewaltiger feelifcher Auf- 
fchwung, eine ganz eigene Art von Idealismus, denn die 
wirkliche Gegenwart, das ganze bürgerliche Leben ward 
dadurch erhoben und geadelt. So führte das Myfterium 
der Menfchwerdung Gottes den Künftler in die lange genug 
vierfchloffenen Geheimniffe des menfchlichen Herzens ein. 
111119131 bel Chefer concreten Auffaffung der heiligen Tragödie 
angelangt: bewegte {ich Dürer darin mit einer Freiheit ohne 
gleichell- Und feine Paffionsbilder flnd alle fo glücklich 
gedaChti {Q Edel in der Anordnung der Handlung, fo er- 
greifend im AllSdrtlcke der Geftalten, dafs fle muftergiltig 
ggbliebßn flnd für die Folgezeit. Wir alle wiffen es kaum, 
W16 Viel von den erften Vorftellungexi, die wir in unferer
        

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