Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1648857
Holzfchnitte. 
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Holzfchneider, zum handwerksmäfsigen Techniker erklären 
und fo fein Verdienft an der grofsen Publication fchmälern. 
Demgemäfs hat flch allmählich die Anficht feftgefetzt, 
als hätte Dürer bei Wolgemut nicht viel lernen können. 
Das Verftändnifs feiner Entwickelung ward dadurch wefent- 
lich erfchwert, die ganze Erfcheinung Dürers ward zum 
Räthfel; denn nichts begreifen wir fchwerer, als eine Reihe 
von bedeutenden Thatfachen, deren Anfange wir nicht 
kennen. Allerdings trug zu jener Auffaffung die Art bei, 
in welcher Dürer über feine Lehrzeit bei Wolgemut berichtet! 
wln der Zeit verlieh mir Gott Fleifs, dafs ich wohl lernte, 
aber viel von feinen Knechten leiden mufster  Statt auf 
den Vorderfatz hat man bisher zumeift auf den Nachfatz 
diefer Mittheilung den Nachdruck gelegt und die Sache fo 
aufgefafst, als hätte Dürer bei Wolgemut mehr fchlechte 
Behandlung als guten Unterricht erfahren. Dagegen ift zu 
bemerken, dafs {ich Dürer nirgends über feinen Lehrmeifter 
beklagt, vielmehr bis an fein Lebensende in freundfchaftlichen 
Beziehungen zu ihm geftanden hat. Dafs aber ein Lehr- 
knabe unter rohen Gefellen einer Werkftatt zu leiten hatte, 
war gewifs zu jener Zeit fo wenig etwas Ungewöhnliches, 
wie es etwa heutzutage noch etwas Seltenes ift. Man denke 
nur an das Loos der kleinen Schützen bei den fahrenden 
Schülern! Die Bedeutung jener Nachricht liegt nicht fowohl 
in der ficher ganz gewöhnlichen Thatfache, die fie enthält, 
fondern vorzüglich in der Perfönlichkeit des Berichterftatters. 
Das Wichtige und Neue daran ift nur der tiefe Eindruck, 
den die unwürdige Behandlung in einer zarter befaiteten 
Seele zurückliefs; es ift eben der moderne Menfch, der fich 
gegen die ererbte Rohheit empört; der zum Bewufstfein 
perfönlicher Würde gelangte Bürger, der die als Kind er- 
littene Schmach noch im Mannesalter nachempündet. Uns 
aber gilt es, zu unterfuchen, was Dürer mit dem xihln von 
I) Dürers Briefe, 74, I2 mit An- 
merkung über die ungenaue Ueber- 
der 
lieferung 
Stelle.
        

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