Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1648815
Die erfien Zeichenproben. 
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muficirenden Engel, die halb neugierig halb andächtig die 
Gruppe betrachten. Die reiche Gewandung fällt in fehr 
fcharf und eckig gebrochenen Falten herab. Das gothifche 
Geftühle, die Blumen im Vordergrunde, der verhaltene Aus- 
druck der Geftalten, ihre fymmetrifche Anordnung zum An- 
dachtsbilde, alles trägt das Gepräge des alten Stiles in einer 
ungemifchten Reinheit und Zierlichkeit, wie fie fpäter bei 
Dürer nirgends mehr vorkommt. Der Gegenfatz zu feiner 
fpäteren F ormengebung ifl: fo grofs, dafs niemand auf feine 
Urheberfchaft verfallen würde, wenn das Blatt nicht in der 
Mitte unten, ganz deutlich und echt, feine ältefte Bezeich- 
nung: A und D neben einander und das Datum 1485 trüge. 
Ift fchon die gewandte Führung des Silberftiftes im Selbft- 
porträte des vorigen Jahres überrafchend, fo bleibt diefe 
fichere Handhabung der Feder durch den vierzehnjährigen 
Knaben geradezu unerklärlich. Diefe Zeichnungen fetzen 
nicht blofs vielfache Vorübung voraus, fondern auch ein 
ganz bewufstes Streben und eine malerifche Auffaffung, die 
weit über die Anforderungen des Goldfchmied-Handwerks, 
wie über alles das hinausgeht, was er etwa bei feinem Vater 
lernen konnte. 
Zur Stütze der gefchichtlichen Wahrheit haben wir die 
getreue Abbildung der beiden letztgenannten Zeichnungen 
in Holzfchnitt hier beigegeben. Wer mit dem Gange der 
Ueberliefertmg auf dem Gebiete der Malerei vertraut iPc, 
wird auf den erften Blick liehen, dafs hier nicht fchwanke 
Gebilde eines unabhängigen jugendlichen Autodidakten Vor- 
liegen. Diele Arbeiten tragen nicht blofs den allgemeinen 
Charakter der damaligen Kunltweife, auch nicht blofs das 
locale Nürnberger Gepräge derfelben, llC {lehen geradezu 
unter dem vollen Einfluffe einer beflimmten tüchtigen Maler- 
fchule. Dafs diefe keine andere ift, als die Michel Wolgetnuts, 
wird durch die zahlreichen Vergleichungspunkte im Schatz- 
behalter und der SchedelTchen Weltchronik aufser Zweifel 
gefetzt. Wir itehen hier vor der merkwürdigen Erfcheinung, 
dal's der kleine Goldfchmiedlehrling bereits den Spuren des
        

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