Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1648762
Familie, 
Die 
zwar in Deutfchland auch Goldfchmiede mit der Heritellung 
von Platten zum Zwecke des Abdrucks befchäftigt, ihre 
Leiftungen blieben aber, im Gegenfatze zu den italienifchen 
Goldfchmiedearbeiten, ftets untergeordneter Art, und die 
fehr roh gezeichneten Blätter des Israel van Mecken be- 
zeichnen den Höhepunkt deffen, was ein blofser Goldfchmied 
als Kupferftecher zu leiften vermochte. Dabei fmd die 
befferen Stiche Meckens nie Originale, fondern meift ver- 
derbte Copien befferer Vorbilder. Der erfindende Künftler 
ift in Deutfchland immer der Maler und diefer liefert 
dem Goldfchmiede feine Vorlagen, wie es ja felbft Dürer 
und Holbein gethan haben. Darum verfteht auch Dürer 
den Begriff der Malerei fo, dafs er alles urnfafst, was wir 
heute zeichnende Künfte nennen würden, indem er fagt: 
wItem Malen ift das, dafs einer von allen. Dingen eines, 
welches er will, wiffe auf ein eben' Ding zu machen, fie 
feyen wie fie wollenr  Vom Materiale der Ausführung 
völlig abfehend, erklärt er die Umfetzung einer räumlichen 
Erfcheinung in ein Flächenbild als die Aufgabe der Malerei. 
So genau wie in Italien wurde es damals im Norden mit 
der Vorbildung eines Goldfchmiedes eben nicht genommen. 
Im Gegentheile müffen wir annehmen, dafs Dürers erfte 
Verfuche im Zeichnen keineswegs den Arbeitsftunden der 
Goldfchmiedewerkfratt ihre Entftehung verdankten und unter 
den Augen des ftrengen Vaters ausgeführt wurden. Sie 
erfcheinen vielmehr als Früchte einer vielleicht gar ver- 
pönten Nebenbefchäftigung, ja wir befitzen fogar ein aus- 
drückliches Zeugnifs über die näheren Umfiände, unter denen 
fie entflanden. Im Britifchen Mufeum befindet {ich die 
Skizze einer Pcehenden Frau, die einen Vogel, einen Falken, 
auf der Hand hält," in einer feltfamen burgundifchen, fpitz 
zugehenden Haube mit herabhängendem Schleier auf ge- 
röthetem Papier leicht mit Kreide ausgeführt. Dabei fleht, 
offenbar von der Hand eines ehemaligen Gefpielen des 
1) Jahrbücher 
Kunftw. I
        

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