Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1648496
Handelsverkehr. 
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heiligen Geift feine Infignien, und alljährlich nach Ofiern 
wurden diefelben vom Rathe auf dem Heiligthums-Stuhle, 
der auf dem Markte angefichts der Frauenkirche errichtet 
Ward, dem Volke feierlich zur Verehrung ausgeftellt. Dies 
Vorrecht, welches Nürnberg bis 1804 ausgeübt hat, trug 
dazu bei, das Anfehen der Stadt nach aufsen hin wie das 
Selbftbewufstfein ihrer Bürgerfchaft zu erhöhen. Nürnberg 
erfchien dadurch bereits als das gekennzeichnet, was es bald 
darauf in jeder Beziehung werden follte, als die erfte unter 
den deutfchen Städten. 
Im XV. Jahrhunderte war Nürnberg eben der Mittel- 
punkt des gefammten europäifchen Handelsverkehres. Noch 
war der Seeweg nach Oftindien nicht entdeckt und die 
Waarenzüge nahmen von Venedig ihren Weg hieher, um 
in die Hanfeitädte und nach dem höheren Norden zu ge- 
langen. Ebenfo bildete die Stadt den natürlichen Stapel- 
platz aller Erzeugniffe des deutfchen GewerbHeifses, die den 
bedürftigen Hinterländern des Oftens, namentlich Polen und 
Ungarn, zugeführt wurden. Die Reichthümer, welche dafür 
aus aller Herren Ländern in die Hände der patrizifchen 
Kaufherren Hoffen, wurden gleich an Ort und Stelle wieder 
productiv durch die in allen Zweigen aufblühende Industrie. 
Die Freude am Schaffen war Hoch und Nieder gemein in 
Nürnberg. Der Wohlitand, der daraus entfprang, gewährte 
hinwiederum die Mufse zur Vertiefung und Verfeinerung 
der Thätigkeit, deren Früchte immer mehr das Ziel einer 
edlen Ruhrnfucht wurden. Die Liebe zur Arbeit war es, 
was die Bürgerfchaft Nürnbergs zur Werthfchätzung der 
höchften irdifchen Güter führte, die Handwerker zur Aus- 
übung der Kunit, die reichen Vollbürger zur Pflege der 
Wiffenfchaft. Nicht unter fo raftlofen Stürmen, wie in 
Florenz und im alten Athen, fondern in einträchtigem, wohl 
geordnetem Zufammenleben hat hier ein deutfches Gemein- 
wefen von höchPcens hunderttaufend Seelen gleichfalls auf 
beiden Gebieten nach dem Höchften gerungen. Dem Ge- 
deihen im Inneren entfprach denn auch der Glanz und die
        

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