Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652167
332 
Der 
zweite 
Venedig. 
Aufenthalt 
Leider nur fehlen uns die Antworten Pirkheimers auf 
diefe köfilichen Auslaffungen Dürers. Dadurch entgeht uns 
nothwendig das Verftändnifs für manche Anfpielung. Wir 
haben zwar die dunkle Spur eines Briefes von Pirkheimer 
an Dürer. Diefer wäre aus Inlhofffchem Befitze an den 
Lord Arundel und mit dem Ueberreiie von deffen Sammlung 
an den Herzog von Norfolk gekommen, der 1681 einen 
Theil davon der Königl. Societät der Wiffenfchaft Vzu London 
fchenkte, xwofelbli fich noch ein lateinifcher Brief von Pirk- 
heimer an A. Dürer befindetr 1). Die Nachforfchungen 
William Mitchells in der Bibliothek der Royal Society führten 
nun zwar zur Auffindung des oben mitgetheilten Briefes 
von Dürer, waren aber in Bezug auf den in Rede ftehenden 
Brief Pirkheimers bisher erfolglos. Doch hätte jene Nachricht, 
falls fie auf Wahrheit beruht, fchon an und für {ich eine 
gewiffe Wichtigkeit, indem wir daraus entnahmen, dafs Pirk- 
heimer Dürern lateinifch gefchrieben habe, was dem Gelehrten 
ohne Zweifel bequemer war, als deutfch zu fchreiben. Es 
viräre dies nur eine Beftätigung unferer Annahme, dafs Dürer 
einige Kenntnifs des Latein fchon aus der Schule mitgebracht 
habe 2). Bei feiner unermüdlichen Lernbegier mochte er fich 
auch weiterhin darin geübt haben. Und wenn er es auch 
nicht fo weit brachte, felbft Latein zu fchreiben, fo war er 
doch im Stande, es zu lefen, zu verftehen. Dafs er deffen 
nicht ungewohnt war, dafür liefert uns gerade der Wortlaut 
jener angeführten Anrede, in welcher er dem Freunde eine 
Probe feiner Fortfchritte in der Erlernung des Italienifchen 
geben wollte, einen deutlichen Beleg. An dem kraufen 
Gemifch von dialektifchen und willkürlichen Formen ift 
nämlich bemerkenswerth, dafs Dürer manche Worte, als 
x) So Heller, Dürers Werke, S, 74. 
2) Vergl. oben S. 54. Dem wider- 
fpricht keineswegs, was Camerarius 
in der Vorrede zur lateinifchen Ueber- 
fetzung der Proportionslehre l 532 
fchreibt; xLitterarum quidem studia 
non attigerat, sed quae illis tamen 
traduntur, maxime naturalium et ma- 
thematicarum rerum seientiee, fere 
didicerata; vielmehr beflätigt der 
Nachfatz unfere Anfchauung.
        

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