Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652139
Briefe an 
Die letzten 
Pirkheimer. 
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wild aus, insbefondere am Feiertage, wenn Ihr den Schritt 
Hüpferle gehta  dazu denke man {ich den damals {chon 
ziemlich beleibten Rathsherrn! Pirkheimer hatte nämlich im 
Vorjahre auf dem Reichstage zu Köln die Händel der Vater- 
{iadt mit dem gefürchteten Raubritter Konz Schott bei- 
gelegt. Weniger glücklich war er vielleicht in feinen Liebes- 
händeln; die Anfpielungen darauf bieten Dürern einen un-I 
erfchöpflichen Stoff zu theilweife recht derben Scherzen: 
vAber es reimt {ich gar fchlecht, dafs {ich {olche Lands- 
knechte mit Zibet fchmieren. Ihr wollt auch ein rechter 
Seidenfchwanz werden und meint, wenn Ihr nur den Dirnen 
wohlgefallt, {o {ei es ausgemacht. Wenn Ihr doch Wenigftens 
fo ein lieblicher Menfch wäret wie ich, {o thäte es mir nicht 
Zorn q 
Pirkheimer war damals eben zu einer Verfammlung 
der Hauptleute und Räthe des Schwäbifchen Bundes nach 
Donauwörth abgeordnet, um dort alte Streitigkeiten mit 
dem Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth, dem 
Burggrafen von Nürnberg, auszutragen. Er berühmte flch 
nun ohne Zweifel in feinem Briefe an Dürer feiner oratorifchen 
Begabung und theilte ihm feinen diplomatifchen F eldzugs- 
plan mit 1). Darauf fchrieb Dürer am 8. September 1506: 
vHochgelahrter, bewährter, weifer, vieler Sprachen 
mächtiger, kühner Entdecker aller vorgebrachten Lügen und 
fchneller Erkenner rechter Wahrheit! Ehrfamer, hoch- 
geachteter Herr Wilibald Pirkheimer! Euer unterthäniger 
Diener Albrecht Dürer gönnt Euch Heil, grofse und würdige 
I) Berichtet doch Hans lmhoff, 
der Urenkel Pirkheimers, in deffen 
Tugendbüchlein 1606, S, 69, ver- 
muthlich nach Aufzeichnungen in 
deffen Nachlaffe, ganz Aehnliches 
über feine Beredfamkeit: vDenn er 
hatte nicht blos eine männliche, kräf- 
tige Stimme, fondern auch ein über- 
aus herrliches und fafl unglaubliches 
Gedächtnifs, fo dafs er oftmals nicht 
blos fechzig und mehr weitfchweiiige 
Artikel und Befchwerdepunkte, die 
gegen ieine Oberen und Conimitten- 
ten, einen Ehrbaren Rath, durch 
Andere vorgebracht wurden, ftehenden 
Fufses alsbald und im Continuo re- 
petieren, verantworten und widerlegen, 
fondern auch laut feiner Infiruction 
eben fo viele dagegen vortragen 
konnte, ohne dafs ihm dabei je {ein 
Gedäehtnifs verfagt hätten.
        

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