Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1652082
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Der 
Aufenthalt 
zweite 
Venedig. 
fichtbar werden; fie hält in den Händen einen offenen Sack, 
in dem grofse Goldfiücke blinken; dazu das lange, Ptraffe, 
blonde Haar und die welke Brufi, indefs die linke Schulter 
von einer hochrothen Draperie bedeckt wird! ein Inbegriff 
"phantaftifcher Häfslichkeit, um fo fcheufslicher, als die An- 
lagen des langen Gefichtes im Grunde edel und regelmafsig 
find. Das Merkwürdigfte daran ift aber die wohlerhaltene 
Malweife, die breite, paitofe Körperlichkeit, mit der die zähe 
Oelfarbe unmittelbar aufgetragen ift, dazu die F arbengluth, 
deren warme Tiefe freilich durch die Pcete Abfonderung vom 
Lichte noch verftarkt fein mag; aber auch abgefehen davon 
iPr die Verwandtfchaft mit der Palette eines Vittore Car- 
paccio, eines Giorgione oder Tizian unverkennbar. Das 
lackrothe Tuch für {ich allein würde die Malerei als venetia- 
nifch erfcheinen laffen, wenn nicht der äufsere Zufammen- 
hang und etwa die Haarbehandlung Dürers Autorfchaft 
verbürgte. Nicht blos dem Sinne nach, auch in der Mal- 
technik bildet diefe Avaritia eine kraffe Parodie auf das 
Bildnifs der Vorderfeite mit feinem dünnen, fein verfchmolze- 
nen, lafierenden Vortrage, offenbar noch auf einem Tempera- 
grunde. 
S0 hätten wir denn hier auch ein malerifches Zeugnifs 
von der übermüthig fröhlichen Stimmung, in welche der 
längere Aufenthalt in Venedig Dürer allgemach verfetzte 
und von welcher uns der zweite Theil feiner Briefe an 
Wilibald Pirkheimer die köftlichften Proben giebt. Diefe 
bereits öfters angezogenen Briefe Dürers an Pirkheimer 
bilden eine Hauptquelle für diefen wichtigen Abfchnitt feines 
Lebens, ja für Dürers Gefchichte überhaupt. Urfprünglich 
acht an der Zahl, fanden fie {ich mit einigen Büchern und 
anderen Schriften in einem lang vermauert gewefenen Raume 
des ImhoffTchen Haufes, als daffelbe in der Mitte des vorigen 
Jahrhunderts durch Erbfchaft an ChriPtoph Joachim v. Haller 
überging. Seitdem wurden fle wiederholt von Murr, Campe 
und Eye veröffentlicht und durch die Auffindung eines 
weiteren Briefes in der Bibliothek des britifchen Mufeums
        

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