Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651989
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Der 
Aufenthalt in Venedig, 
zweite 
Darfiellung bezeichnet die Infchrift auf dem unteren Rande: 
PATER IN MANVS TVAS COMMENDO SPIRITVM 
MEVM; an dem aus Naturholz gezimmerten Kreuzesftamme 
darüber die Jahreszahl 1506 und das Monogramm. Trotz 
des kleinen Mafsitabes für die Ausführung in Oel ift das 
vom Dornengeflechte befchattete Antlitz von ergreifendem 
Ausdrucke. Der weitgeöffnete Mund des zum Himmel 
Rufenden läfst die oberen Zähne fammt der Zunge noch 
flchtbar werden  ebenfo kühn als gelungen! Der Körper 
ift fehr gut gebildet und ganz kräftig und ficher in einem 
Warmen bräunlichen Tone vorgetragen. Die Hatternden 
Enden des Schamtuches füllen gefchickt den Raum zwifchen 
Balken und Stamm des Kreuzes, das in die fchwarze Nacht 
des F irmamentes hinausragt. Blos der niedrige Horizont iPc 
in grün-gelb-rothen Lichtern abgetont und beleuchtet magifch 
die tiefblaue Uferlandfchaft und den Wafferfpiegel des fernen 
Hintergrundes  ein echt venetianifcher Nachteffectl Die 
luftigen Wipfel einiger Birkenbäumchen, welche fein tockiert 
aus dem Vordergrunde rechts in die Bildfläche hineinragen, 
erhöhen noch die weltverlaffene Einfamkeit des Gekreuzigten. 
Selten dürfte ein Kunftwerk fo viel Grofsartigkeit auf fo 
kleinem Raume vereinigen. Den Muth zu folcher Farben- 
tiefe, auch das Gefchick dafür dürfte Dürer aber kaum nach 
Venedig mitgebracht haben. Hier fcheint mir denn doch 
die Einwirkung von Giorgione unverkennbar zu fein, der 
I506_I5OS an dem Fondaco de' Tedeschi malte. Merk- 
würdig genug, dafs Dürer des grofsen Coloriften, den er ja 
kennen mufste, in feinen Briefen mit keiner Silbe erwähnt; 
Vincis ebenbürtig. Das F leifch iPc 
weich modelliert, mit unübertreHlicher 
Fefligkeit des Auftrages und fatteflzem 
Schmelz der Farbe behandelt; die 
liebevolle Ausführung des Einzelnen 
erflreckt {ich bis auf die Plärchen am 
Körper und das Glanzlicht im Auge. 
Ein Juwel folcher Art mochte wohl 
die Aufmerkfamkeit der grofseix Ve- 
netianer erregen und fle veranlaffen, 
die Natur mit gröfserer Sorgfalt, als 
fle gewohnt waren, zu fhldieren; es 
ift kaum zu bezweifeln, dafs folche 
Vorbilder für Tizian die treibende 
Urfache wurden, das Wunderwerk 
{einer Jugend, den vChriPcus mit dem 
Zinsgrofchena zu unternehmen und 
zu vollcndemg
        

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