Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651919
Jefus unter 
Schriftgelehrten, 
den 
357 
Monaten des Rofenkranzfeftes! Mit diefem hatte es wohl 
auch die Art der Technik und die Sorgfalt der Vorftudien 
gemein; an Compofition, Gefchmack und Ausführung {teht 
es aber weit hinter demfelben zurück. Die Anordnung der 
je drei Charakterköpfe zu den Seiten Jefu über einander iit 
fehr gedrängt ohne jegliche Raumdispofltion. Es fcheint 
blos auf die Wirkung der phyfiognomifchen Contrafte und 
auf das mannigfache Spiel der Hände abgefehen zu fein, 
das allerdings fehr ausdrucksvoll, ja fprechend genannt 
werden mufs. Welch herrliche Studien hat Dürer aber 
auch dazu gemacht! Den Mittelpunkt bilden nicht der Kopf, 
fondern die Hände Chrifti, welche eben demonitrieren, indem 
der Zeigefinger der Rechten den Daumen der Linken be- 
rührt; die wundervolle Pinfelzeichnung dazu, von Loedel 
geftochen, befindet fich in der Sammlung Hausmanns zu 
Braunfchweig; dafelbft auch die Hände der beiden vorderften 
Schriftgelehrten, die je ein grofses Buch halten. Aus dem 
Buche links hängt im Bilde eine Papierfchleife mit 1506, 
Monogramm und der Infchrift: vopus quinque dierume. 
Das Studium zu dem Kopfe des göttlichen Knaben in diefem 
Bilde ift vielleicht die, italienifcher Kunftweife am nächftcn 
ftehende Zeichnung, die wir von Dürer beützen. Das venetia- 
nifche Modell mit den grofsen Augen, dem fchwellenden 
Kinne, den aufgezogenen Brauen mag viel dazu beitragen. 
Doch auch die weiche Umfchreibung des ein wenig ge- 
neigten Köpfchens mit den etwas geöffneten Lippen und 
der breite Vortrag zeigen uns Dürer von einer neuen Seite. 
Die Zeichnung ift fchon von Gillis Sadeler gePcochen worden; 
{ie befindet {ich in der Albertina; idafelbft auch die Hand 
des Schriftgelehrten links oben im Bilde, deren Finger das 
Buch halb offen halten. Die Vorzüge diefer Zeichnungen, 
welche fämnqtlich fo wie jene für das Rofeilkrailzfeft und auf 
demfelben blauen Ankerpapiere ausgeführt fmd, haben fich 
in dem Gemälde nicht erhalten. Vollends jetzt hat daffelbe 
ein dunkles, unerfreuliches Ausfehen; es ift ganz verrieben 
und mit Oel und Firnifs überfchmiert. Urfprünglich war es
        

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