Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651908
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Der 
Aufenthalt in 
zweite 
Venedig, 
dem es in die kaiferliche Kunflkammer gelangt war  
Merkwürdig lind insbefondere jene Exemplare, in denen der 
Paplt durch die heilige Katharina erfetzt ift, fo wie diefelbe 
auf einer oben erwähnten Aquarellfkizze der Albertina und 
auf dem letzten Blatte des Marienlebens angebracht ift, und 
zwar fcheint das Motiv der Figur geradezu aus diefem Holz- 
fchnitte entlehnt zu fein. Dafür ifi: St. Dominicus weg- 
gelaffen, ein Zeichen, dafs der Copift den eigentlichen Sinn 
der Darftellung nicht mehr verftand; fo Wenig etwa wie 
diejenigen, welche heutzutage für die Originalität der fo ver- 
änderten Copie eintreten zu dürfen glauben. Schon die 
Veränderung deutet auf eine fpätere Zeit, einen vielleicht 
proteftantifchen Maler oder Befteller, der doch lieber eine 
Heilige, aber nur ja nicht den Papft auf dem Bilde haben 
wollte. Eine folche Copie ward aus der Wiener Belvedere- 
Galerie in das Mufeum von Lyon entführt; eine andere be- 
Endet fich in der k. k. Ambrafer Sammlung in Wien, eine 
dritte im Privatbefitze bei Dr. Johann Urban, Magiftratsrath 
in Prag 2).  
Dürer meldet die Vollendung des Rofenkranzfeftes Pirk- 
heimern mit den Worten: vWiffet auch, dafs meine Tafel 
fertig iPc; auch ein anderes Quadro, desgleichen ich noch 
nie gemacht haber. Was das Seltfame an diefem anderen, 
gleichzeitig und fomit rafch vollendeten Gemälde gewefen 
fei, erfahren wir nicht; und auch über diefes felbft bleiben 
wir auf Vermuthungen angewiefen. Vielleicht ift darunter 
der Iefusknabe unter den Schriftgelehrten gemeint, der {ich 
gegenwärtig in der Galerie Barberini in Rom befindet, ein 
Bild mit fleben lebensgrofsen Halbfiguren oder Köpfen, das 
{ich Dürer in fünf Tagen vollendet zu haben berühmt; 
freilich ein Kunftftück felbft im Vergleich mit den fünf 
1) Die Copie auf Leinwand nvon 
einem italienifchen MeiPcera, welche 
Heller S, 248 als in der Galerie 
Grimani x82! verzeichnet, habe ich 
im Palazzo Grimani-Spago nicht mehr 
vorgefunden; fle iß: längß verkauft. 
2) Vergl. eine abweichende An- 
ficht bei H. Grimm, A, Dürer in 
Venedig; Ueber Künfiler und Kunß- 
werke, I. 148 ff,
        

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