Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651637
und 
Phyüognomifche 
Porträtftudien. 
331 
fprilchsvollen, minutiöfen Technik zum Opfer fallen. Die 
tiefere Erfaffung des Porträtfhldiums aber iPc die Grundlage 
moderner Hiftorienmalerei. Kann das Menfchenantlitz erft 
die pfychifchen Vorgänge, die Keime der Willensäufserung 
wiederfpiegeln, dann folgen die Körper leicht den Motiven, 
die fie zu einheitlicher dramatifcher Verbindung rzufammen- 
fchliefsen. In der Bewältigung des phyfignomifchen Aus- 
druckes liegt der Schlüffel zu jenem unerfchöpflichen Reich- 
thume in der Compofition, der den lombardifchen Maler 
Loinazzo zu dem Ausfpruche bewog, iDürer habe allein 
mehr erfunden, als alle anderen Meifter zufammengenommena 1), 
Von den mythologifchen und allegorifchen Darftellungen. 
in denen fich Dürer eine Zeit lang gefallen hat, wendet er 
{ich immer entfchiedener ab. Die ganze Fülle feiner Pro- 
duction ergiefst fich in den volksthümlichen biblifchen Gegen- 
ftänden. Wie alles, was aus der vollen Tiefe einer Menfchen- 
feele erzeugt ift, hat auch die Urfprünglichkeit Dürers in 
feinen Darftellungen vom Leben jefu ihre gewaltige Wirkung 
auf die Zeitgenoffen nicht verfehlt, auch nicht auf die italieni- 
fchen Meifter. Dürers Kupferftiche und Holzfchnitte fanden 
frühzeitig ihren Weg nach Italien und verbreiteten dort 
feinen Ruhm. Von feinen älteften Stichen waren es ins- 
befondere die landfchaftlichen Hintergründe, welche die 
italienifchen Meifter fo anfprachen, dafs fie diefelben zur 
Zierde der eigenen Compofitionen entlehnten 2). Von den 
I) Trattato, Lib, V. Cap. 2. 
2) z. B, die Landfchaft aus der 
Madonna mit der Heufchrecke B. 44 
auf dem fogenannten Campagnola 
B. XV. 539 S. Ottilie; aus dem 
grofsen Hercules B. 73: der ganze 
Hintergrund bei Robetta B. 24; die 
Burg combiniert mit der auf dem 
Euftachius B. 57, bei AgoPcino Vene- 
ziano B. 409, während das Schiff 
dafelbfc aus dem nMeerwundera B. 
7I flammt; die Baumgruppe mit der 
linken Hälfte der Landfchaft auf dem 
fogenannten Marcanton B. 484; vergl. 
auch oben S, 225 Anmerk. I. Eine 
frühe Nachricht bei Wimpheling, nach 
welcher Gemälde Dürers nach Italien 
exportiert worden wären, beruht wohl 
nur auf einem Mifsverüändniffe; er 
fagt von Dürer: Nurenbergae imagines 
absolutissimas depingit, quae a mer- 
catoribus in Italiam transportantur et 
illic a. probatissimis pictoribus non 
minus probantur quam Parrhasi et 
Apellis tabulaeu. Grimm, Ueber 
Kiinüzler II. 224. Es gab eben kein
        

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