Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651556
Widerfpruch. 
Letzte 
Begegnung  
325 
des Gegenfatzes zur Theorie des Venetianers. Wohl fuchte 
er nun felbftändig die Gefetze des menfchlichen Wachsthums 
zu ergründen. Er that es aber nur in fortwährendem innigen 
Anfchluffe an die Natur, und es klingt wie eine verfpätete 
Polemik gegen Barbari, wenn er in einer älteren Auffchreibung 
zu feiner Proportionslehre fagt: xAber Etliche flnd anderer 
Meinung; reden davon, wie die Menfchen fein follten. 
Darüber will ich mit ihnen nicht Pcreiten. Ich aber halte 
darin die Natur für Meifter und der Menfchen Wahn für 
Irrfal. Der Schöpfer hat einmal die Menfchen gemacht, wie 
f1e fein müffen, und ich glaube, dafs die rechte Wohlgeftalt 
und Hübfchheit unter dem Haufen aller Menfchen begriffen 
fei. Wer das Rechte herausziehen kann, dem Will ich mehr 
folgen als dem, der eine neu erdichtete Mafs machen will, 
deren die Menfchen kein Theil gehabt habem I). Damit iPc 
die Grenzfcheide angedeutet, an welcher der deutfche und 
der italienifche Meifler aufhörten {ich zu verftehen. Auch 
Raphael fchreibt in feinem Briefe an den Grafen Baldaffare 
CaPciglione bezüglich feiner Galatea, vdafs er um eine Schön- 
heit zu malen, deren mehrere fehen müfsteß). In Ermangelung 
deffen weifs er aber einen Ausweg, er bedient flch auf gut 
Glück veiner gewiffen Ideea, er ahnt es, ohne es zu wiffen, 
dafs f1e die künftlerifchen Vorzüge befltze, um die er {ich 
bemüht"). Auf diefem Fluge vermag der deutfche Realift 
dem Italiener nicht zu folgen. Nur mit Hülfe des Wiffens, 
der Erkenntnifs glaubt Dürer {ich über die Natur erheben 
zu können. Ihm würde leicht auch Raphaels vcerta ideae 
als eine vneu erdichtete Mafsa erfchienen fein. 
Mühfelig war die Bahn der Erforfchung, der Vertiefung 
in die Natur, welche Dürer einfchlug. Ob fie ein Umweg 
war, ob ein Irrweg  ihre Wahl war in feinem Wefen, in 
1) Zahn, Dürerhandfchriften des 
Brit. Mufeums, Jahrb. f. K. I. 8, 
2) Bottari, Raccolta di Lettere, I. 
116; Puffavant, Raphael, I, 533: 
wehe per depingere una bella, mi 
bisogneria veder piü bellea. 
3) vMa essendo carestia e di buoni 
giudici, e di belle donne, io mi servo 
di certa. idea, che mi viene nella 
mente. Se questa 1m in se alcuna 
eccellenza d'arte, io non so; ben 
nfaffatico (Taverlaa.
        

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