Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651524
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Der 
dei Barbari. 
Wettftreit mit jacopo 
pofitionen kaum als jenem Gebiete angehörig erkennen, ge- 
fchweige denn, dafs wir den einzelnen Gegenftand mit Beftimmt- 
heit bezeichnen könnten. So zweiHe ich denn gar nicht, dafs 
zwei andere Kupferftiche des Jahres 1505, genannt xdas 
grofser und wdas kleine Pferdr (B. 97 u. 96) eine mytho- 
logifche Bedeutung haben follten. Dafs Dürer zugleich Proben 
von feinen Fortfchritten im Studium des Pferdeleibes geben 
wollte, thut diefer Vermuthung keinen Abbruch. Das rgrofse 
Pferdii ift ein Karrengaul von ähnlicher, nur noch fchwererer 
Raffe als das Flügelrofs auf Barbaris Kupferftich, äufserft 
naturgetreu gezeichnet und meifterhaft von rückwärts ver- 
kürzt; es {teht mit der Halfter in einem Gemäuer und vor 
einer Säule, auf welcher oben noch die Füfse eines nackten 
Götterbildes flchtbar find; hinter dem Pferde und gegen 
deffen Kopftheil gerichtet ein Mann in Rüitung mit Helm 
und Hellebarte, als wäre er eben gekommen, das Pferd 
wegzuführen. Es dürfte Hercules fein, wie er die Roffe des 
Diomedes aus Thrakien entführt. Ganz ähnlich illuftriert 
auch die ältefte, deutfch gedruckte Mythologie von Johann 
Heroldl) diefe That des Hercules in Holzfchnitt. Auch dort 
erfcheint nur ein Pferd, gleichfalls verkürzt von rückwärts 
gefehen, und neben demfelben ein gewöhnlicher Mann, es 
am Zügel haltend und die Peitfche fchwingend. Eine folche 
Vereinfachung des Gegenftandes iit eben bei altdeutfchen 
Meiftern ganz gewöhnlich. 
Schwerer erklärt {ich die ähnliche Darftellung des 
ßkleinen Pferdesx, das leichteren Schlages, von gröfserer 
Lebendigkeit, ähnlich dem Pferde des St. Georg im Holz- 
fchnitte (B. III), aber von weniger genauer Naturwahrheit 
l) Die Heydenwelt, Bafel 1554, 
Pag. CLXXXI. Ob vielleicht Quad 
von Kinkelbach. wenn er in der oben 
S. 207 angeführten Stelle die vEifer- 
fuchtu den ngrofsen Herculesu nennt, 
dadurch das Blat von einem andern, 
nkleinena unterfcheiden wollte und 
0b er vielleicht darunter das vgrofse 
Pferdu noch verfiand? Vergl. damit 
auch den Stich von Hans Sebald 
Beham, Bartfch Nr. 67, wo ein 
Krieger mit einem Roffe blos durch 
die Infchrift als xAlexmxder Magnuse, 
der den Bucephalus gegen die Sonne 
führt, gekennzeichnet "ifi.
        

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