Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651488
318 
Der 
Wettfireit mit Jacopo 
Barbari, 
findl). Das grofse glotzende Schauen derfelben verräth den 
frühen Urfprung des Stiches, und die zierliche Beinftellung 
des Weibes deutet auf fremdartige Infpiration. Viel felb- 
ftändiger iit Dürer fchon in der Behandlung der männlichen 
Anatomie. In Concurrenz mit einer entfprechenden Figur 
Barbaris in der trefflichen Gruppe der Gefeffelten i) dürfte 
der linkshin gewandte h. Sebailjan mit den hinaufgebundenen 
Armen entworfen fein, und zwar mittelbar nach einem 
Modell. Die fein empfundene Naturtreue, die gerade jenen 
Stich Barbaris vortheilhaft auszeichnet, hat Dürer hier nicht 
erreicht, ob er gleich zu fo kleinen naturalillifchen Mitteln, 
wie zur Andeutung der Beinbehaarung gegriffen hat. 
Freier bewegt {ich Dürer in einigen kleinen Stichen, 
deren Gegenftände ohne befondere Nebenablicht unmittelbar 
aus dem Leben gegriffen find. So das gehende Bauernpaar 
(B. 83); der Burfche redet mit lebhaften Mienen, die Rechte 
prahlerifch erhoben, in feine vornehm Reife Liebfle hinein. 
Unverkennbar daran ift der fpöttifche Zug gegen bäuerifche 
Ueberhebung, wie er' im fpäteren Mittelalter allgemein beliebt 
und insbefondere den Städtern geläufig war. Diefelbeironifche 
Auffaffung, obwohl fern von aller Caricatur, zeigen die drei 
Bauern im Gefpräch (B. 86), von denen _der eine einen 
Eierkorb hält, ein anderer einen Sack über der Schulter 
trägt und {ich auf ein etwas fchadhaftes Schwert ftützt; fie 
rathfchlagen ohne Zweifel über das 'W0hl der ganzen Welt. 
Eine fchlichte häusliche Scene, wie vom Zufall eingegeben, 
zeigt der kleine Stich: Maria felbdritt (B. 29). Die beiden 
Pcehenden Frauen in bürgerlicher Tracht wären kaum ge- 
kennzeichnet ohne die Erfcheinung von Gott Vater in den 
Lüften. Das Gleiche gilt in noch höherem Mafse von der 
kleinen faugenden Madonna aus dem Jahre 1503. Die 
Natürlichkeit geht hier fo weit, dafs Maria ein ältliches, 
mageres Geflcht hat, weshalb man aber doch nicht an eine 
1) Bartfch 85. 
2) Bartfch Nr. 
Hopfer hat u. a. 
Hieronymus 
die hier ge- 
I 7. 
auch 
nannten vier Kupferftiche von Barbari 
copiert.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.