Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1648332
Landfch aft, 
Porträt. 
Nacktes. 
grofsen Meifier wie Martin Schongauer. XVir wiffen, wie 
die antike Kunft, die griechifche Bildnerei bei ihrem Erwachen 
zunächft den nackten Körper durchbildet und frei bewegt, 
während der Geüchtsausdruck noch {tarr und fammt feinem 
ftereotypen Lächeln unbeholfen bleibt. Im geraden Gegen- 
fatze hiezu fiehen die Anfange der modernen Kunfi. Die 
Malerei beginnt mit der Durcharbeitung des menfchlichen 
Kopfes, fle vertieft flch nicht blos in die individuellen 
Formen, fondern auch in den Seelenausdruck des Antlitzes. 
Nur allmählich fchreitet f1e zur freieren Bewegung des be- 
kleideten Körpers, zur befferen Bildung von Händen und 
Füfsen vor, und fpät erft gelingt ihr eine Bewältigung 
nackter Körperformen. Faft ein ganzes Jahrhundert vergeht 
über diefer Entwickelung. Doch hat Vasari Unrecht, wenn 
er berichtet, dafs Jan Mabuse unter den Flamändern, was 
bei ihm gleichbedeutend mit Deutfchen ift, der erfte gewefen 
fei, der Darftellungen von nackten Körpern ausgeführt hätte. 
Wir werden fehen, dafs, abgefehen von Jan van Eyck, fchon 
viel früher und vor Ausgang des XV. Jahrhunderts die 
Nürnberger Meifter fich mit Erfolg an die Darftellung des 
Nackten in bewegten Figuren gewagt haben; und fie thaten 
dies felbftändig und nicht wie Mabuse in directer Anlehnung 
an italienifche Mufter. Genug, die moderne Kunft erwächfi 
nicht auf freiem Plane, fondern aus den Trümmern des 
Mittelalters; fie wird nicht wie die Antike von unten auf- 
gebaut, fondern fo zu fagen von oben ausgegrübelt. 
Das Mittelalter hatte das menfchliche Gefühlsleben 
unendlich vertieft. Durch den vertrauten Verkehr mit ab- 
ftracten Vorftellungen, durch die Hingabe an Phantaflegebilde, 
durch die Uebung in aller Art von Gemüthsanfpannting war 
der Geift einer gewiffen Selbftbethätigung gewöhnt. Diefe 
innere Welt, der man den Vorzug vor der äufseren gab, 
fuchte man dann an Gefialten, die man adeln wollte, auf 
jede Weife zum Ausdruck zu bringen. Daher anfangs die 
gewundenen Geftalten, die aus fich herausftreben, daher ihre 
weitgeöffneten Augen, die wie in Fieberhitze uns anfchauen.
        

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