Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1651428
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Der 
Barbari, 
Wettffreit mit Jacopo 
Zeitgefchmack und Mode ihr eigenes Gefetz, und es gab 
Umftände, unter denen Iacopo de' Barbari einem Dürer als 
unerreichtes Mufter vorgehalten werden konnte. je abfonder- 
licher uns die ganze Kunftweife jenes Venetianers erfcheint, 
deflo mehr war diefelbe geeignet, bei den erften Anhängern 
humaniftifcher Bildung in Nürnberg, im Norden überhaupt 
Bewunderung zu erregen. Gerade in fo eigenthümlicher 
Mifchung mufste die Renaiffaxice dem an kölnifche und vlä- 
mifche Typen gewohnten, deutfchen Auge befonders zu- 
fagen; leicht erfchien ihm in den Figuren Barbaris das antike 
Ideal verkörpert, das {ich auch in den fchmiegfam gezogenen, 
nicht wie bei Mantegna von Querfalten durchfetzten Ge- 
wandungen nicht verleugnet. Sehen wir heutzutage auch 
in diefen überfchlanken, fanftgefchwungenen Geftalten mit 
platten unbedeutenden Köpfen falfches Gefühl und einen 
Vorgefchmack jenes füfsen Hanges zur Uebertreibung, der 
fpäterhin den Niedergang der Malerei herbeiführte, fo kam 
dies bei dem Urtheile der Zeitgenoffen nicht in Betracht. 
Ihnen konnte vielmehr  nach Dürers Worten zu fchliefsen 
 hierin das Problem der nackten Figur gelöfi erfcheinen, 
um welches {ich damals auch die Nürnberger Kunft fo eifrig 
bemühte. Wolgemut hatte hiezu im Jahre 1497 mit den 
vier Hexen den erften bekannten Verfuch in mögligfi engem 
Anfchluffe an die Naturbeobachtung gemacht, in den fpäteren 
Stichen aber lenkte ihn die Anpaffung fremdartiger Motive 
und das Spiel feiner Phantafxe davon ab. Dürer folgte ihm 
getreulich auf diefer Bahn, beobachtend, lernend, in der Aus"- 
führung wetteifernd. Da trat Barbaris Erfcheinung dazwifchen 
und forderte gleichfalls Dürers Eifer heraus. An der ober 
Hächlichen, unbeftimmten und mageren Technik von deffen 
Stichen konnte der fchon viel weiter fortgefchrittene Dürer 
nichts mehr lernen, flch alfo auch zur Nachbildung nicht 
veranlafst fühlen. Um fo begieriger griff er nach den 
Grundformen von Barbaris Zeichnung, in der Hoffnung, 
hinter deren geheimnifsvollem Reize den Quell der Wahr- 
heit zu tinden. Bald aber follte {ich Dürer auch hierin
        

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