Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650984
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Apokalypfe und 
Die 
Holzfchnitte. 
frühen 
Das F rauenbad nach der zuvor erwähnten Bremer Feder- 
zeichnung im Gegenlinne gefchnitten, exiftiert nur in unbe- 
zeichneten Drucken auf Papier im Parifer Kabinet, auf Perga- 
ment in der Albertina zu Wien und war bis vor kurzem 
unbefchrieben 1). Einen zweiten Ausfchnitt mit dem Mono- 
gramm hat Dürer von diefem Blatte, Vermuthlich des freien 
Gegenftandes wegen, nicht veranüaltet. Simfon, den Löwen 
bezwingend 2), erfcheint in gewaltfam gefpreizter Stellung in 
der offenen Landfchaft; der Löwe, den er am Rachen gefafst 
hat, ift auffallend natürlich gebildet, weit mehr als z. B. jener 
auf dem Kupferßiche: Hieronymus in der Wildnifs. Augen- 
fcheinlich diente Dürer hier die Miniatur, die er 1494 aus 
Venedig mitbrachte, als Vorlage, wenn auch mit einigen 
Veränderungen in der Stellung. Aehnlich wie hier den 
jüdifchen Hercules bildet Dürer den griechifchen Heros auf 
einer räthfelhaften Kampffcene, welche oben mit der Infchrift: 
xErculesr verfehen ilt  Der Auftritt hat eine entfernte Ver- 
wandtfchaft mit dem grofsen Kupferliiche gleichen Namens 4). 
Doch erfcheint der mit einer Keule bewaffnete Held hier 
in Begleitung zweier Weiber, eines bekleideten jungen und 
eines häfslichen, mageren, alten, vielleicht einer Invidia, die 
einen Kinnbackeilknochen fchwingt. Sie fallen fämmtlich 
über zwei gepanzerte Ritter her, die auf der Erde liegen. 
Welche mittelalterliche Auffaffung der Herculesfage hier zu 
I) Die genaue Befchreibung des 
Holzfchnittes nebft Nachweifen der 
Litteratur und Abbildungen in meiner 
oben citierten Abhandlung. Das Blatt 
iil; nicht gerade ein Seitenftück des 
Männerbades, weil es beträchtlich 
kleineres Format hat  0.215, Br. 
0.235), Es giebt davon eine rohe 
Copie in runder Form mit dem Mo- 
nogramm Sebald Behams; Rofenberg, 
S_ u. B. Beham, S. 133. Nr. I6. 
2) Bartfch 2. Von diefem Holz- 
{chnitte befinden llch Abdrücke von 
der älteren unbezeichneten Platte im 
kön. Kupferfiichkabinet zu Stuttgart 
und bei H, A. v. Lanna in Prag. 
3) Bartfch 127, 
4) S, oben S. 226 ff, Sollte Dürer 
vielleicht auch auf dem zuvor er- 
wähnten Holzfchnitte, Bartfch 2, nicht 
Simfon, fondern Hercules mit dem 
Nemeifchen Löwen gemeint haben? 
Wenigftens ftellt Altdox-Her, Bartfch 
26, denfelbeim ganz in der gleichen 
Action, den Löwen am Rachen 
faffend, dar; nur trägt er dort Köcher 
und Bogen auf dem Rücken, welche 
bei Dürer fehlen,
        

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