Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650932
Maler und Formfchneider. 
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lich die Züge der Meifierhand verletzte, defto unverfalfchter 
kam diefelbe im Drucke zur Geltung. Das Schneidemeffer 
konnte zwar an der Vorlage mehr oder weniger verderben, 
verbeffern aber konnte es diefelbe nicht. Seine Wirkfamkeit 
liegt fomit aufser dem Bereiche des fchaffenden Künftlers. 
Was Dürer anbelangt, können wir diefen Sachverhalt 
als Regel anfehen. Eine neuerliche Beweisführung an diefer 
Stelle würde ungebührend viel Raum einnehmen, fxe ergiebt {ich 
von felbft aus dem weiteren Verlaufe unferer gefchichtlichen 
Darfiellung. Damit foll nicht geleugnet werden, dafs {ich 
Dürer wohl auch ein und das andere mal im Holzfchneiden 
verfucht habe. Ja er fcheint es nachmals für ganz felbit- 
verfiändlich anzufehen, dafs der erfindende Künftler ftatt 
zur Feder auch wohl zu Model und Aushebeifen greife, um 
ein kleineres Werk rafch zu vollenden, indem er ausführt: 
wdafs ein verftändiger, geübter Künftler in grober, bäurifcher 
Geitalt feine grofse Gewalt und Kunit mehr erzeigen kann, 
etwa in geringen Dingen, denn mancher in feinem grofsen 
Werkx. wDaraus kommt  fahrt Dürer fort  dafs 
Mancher etwas mit der Feder in einem Tag auf einen halben 
Bogen Papier reifst oder mit feinem Eifelein etwas in 
ein klein Hölzlein verlticht, das wird künftlicher und 
beffer denn eines Anderen grofses Werk, daran derfelbe 
ein ganzes Jahr mit höchfiem Fleifs macht; und diefe Gabe 
ift wunderlich, denn Gott gibt oft Einem zu lernen und 
VerPcand etwas Gutes zu machen, desgleichen ihm zu feinen 
Zeiten Keiner gleich erfunden wird, und etwa lange Keiner 
vor ihm gewefen und nach ihm nicht bald Einer kommte 1). 
Doch befitzen wir kein glaubwürdiges Zeugnifs für Dürers 
eigenhändige Bethätigung als F ormfchneider. Gerade die 
wichtigPte Frage, ob Dürer feine Apokalypfe felbfi gefchnitten 
oder doch fich am Ausfchnitte derfelben betheiligt habe, 
1) Dürer, Proportionslehre, III 
Buch, T. 2. Vergl. Zahn, Dürers 
Kunßlehre, 103. Dem Wortlaute und 
dem Zufammenhange nach kann die 
Stelle nur auf Holzfchnitt und nicht 
auf Holzfculptur bezogen werden. 
Unter dem grofsen NVerke verfieht 
dann Dürer das ausgeführte Gemälde.
        

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