Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650852
Die 
vier 
VOIII 
Engel 
Euphrat, 
257 
Und zwar erfolgt die Anordnung der beiden Gruppen dies- 
mal nicht über-, fondern nebeneinander. Den Raum zur 
Linken nehmen die vier Engel ein, von denen die zwei 
im Vordergrunde Pcehenden den bedeutendften Theil der 
Darftellung bilden. Im Gegenfatze zum Herkommen ftellt 
Dürer die Würgengel als bejahrte und hagere, wenn auch 
bartlofe Männer dar. Er unterfcheidet diefelben fo für den 
erften Anblick gleich von den Kinder- und Mädchen-Geftalten, 
den hergebrachten Erfcheinungen der heilbringenden Himmels- 
boten. Mit diefen Genien hätte er die Vollftreckung des 
letzten Racheamtes unmöglich in Einklang bringen können, 
ohne in künftlerifche Uebertreibungen und Unwahrheiten zu 
verfallen. Die Unterfcheidung und die Erfindung diefer 
dräuenden Männerengel ift daher äufserft glücklich zu nennen. 
Ihre hohen grobknochigen Geftalten mit den riefigen Geier- 
Hügeln flöfsen uns eine Ahnung ihres fchrecklichen Berufes 
ein und laffen daran glauben, auch ohne dafs deffen Aus- 
übung zu deutlicher Anfchatiung gebracht wird. S0 genügt 
es denn, dafs jene beiden Engel unbewegt daftehen in ihren 
lang herabfallenden Gewändern, die Fauft am Schwerte 
ruhend; fie wenden blos einen Blick nach den puitenden 
Köpfen der Winde hin und machen mit der Hand eine 
leichte Bewegung der Abwehr. In diefem ruhigen Beharren 
aber erfcheinen fie ungleich gewaltiger als etwa jener dritte 
Engel, der in ihrem Rücken fchreiend das Schwert gegen 
einen der Winde zückt. Ein Zeichen ihrer Macht, {teht der 
fruchtbeladene Apfelbaum zu ihren Häupten, den die Winde 
nicht einmal befchädigen dürfen. Am Himmel aber bringt 
der Engel, der das verbietet, das ßZeichen des lebendigen 
Gottesr in Geftalt des Kreuzes, und daffelbe Zeichen fchreibt 
ein anderer, ein lieblicher Friedensbote auf die Stirnen der zur 
Rechten Knieenden, unter denen einige Porträte zu fein fcheinen. 
Das flebente Blatt verfinnlicht die Vertheilung der 
Pofaunen an die fieben Engel und die Plagen, welche die 
fünf erften aus ihnen verurfachen1). Blos die Gruppe der 
I) Cap. 8 u. 9. V. 1-12.  
Thaufing, 
Dürer
        

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