Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1648268
erflen 
M alerfchulen, 
deutfchen 
In Ermangelung eines tieferen Erniies und Gedankenaus- 
druckes kommt ihnen dies Beiwerk fehr zu Statten, denn 
die Farbenpracht der Gewänder verleiht auch kleineren 
Verhältnifien jene Feierlichkeit, deren ein Andachtsbild nicht 
entrathen kann. Den Höhepunkt diefer jüngeren kölnifchen 
Schule bildet der Maler des Kölner Dombildes, Meifter 
Stephan Lochner. Seine Richtung führt aber zugleich die 
ftreng kirchliche, idealiflifche Kunft des Mittelalters an den 
äufserften Grenzpunkt, über den hinaus Iie keiner Ent- 
wickelung mehr fähig ift, ohne ihren unbeugfamen Principien 
völlig untreu zu werden. 
Im Gegenfatze zu der kölnifchen Schule entfaltet die 
deutfche Malerei des XIV. Jahrhunderts eine andere Blüthe 
in der Schule von Prag. Wenn der Weiten des Reiches, 
namentlich durch geifllichen Befitz aufgefogeil und zerfetzt, 
den Hebelpunkt des kirchlichen Einfluffes in Deutfchland 
bildete, wenn der Rhein zur vPfaffengaffea geworden war, 
fo bot der, Often noch den jeweiligen Kaifern compacte 
Territorien als ergiebige Stützpunkte ihrer Macht und ihres 
Anfehens. Abgefehen von den kriegerifchen Marken, aus 
denen dereinft zwei deutfche Grofsmächte herauswachfen 
follten, galt dies insbefondere von Böhmen, und bald ward es 
Sprichwort im Reich, dafs die Kaiferkrone auf die böhmifche 
Königskrone gehöre. Als nunmit dem Luxemburger Karl IV. 
zuerft ein gelehrter und kunftfinniger Fürft beide auf {einem 
Haupte vereinigte und den Verfuch machte, Deutfchland 
einen fetten Mittelpunkt, eine würdige Hauptftadt zu fchaffen, 
da ward auch der Malerei in Böhmen nicht blos eine 
heirnifche Stätte bereitet, es ward ihr zugleich ein den 
Pcaatlichen und örtlichen Bedingungen entfprechender Grund- 
zug eingeprägt. 
In keinem andern Reichslande Pcand der Clerus fo fehr 
in Abhängigkeit von dem Landesfürften, wie in dem König- 
reiche Böhmen, diefem Adoptivkinde des deutfchen Staates. 
Die zwiefache Bevölkerung deffelben zeichnete flch zwar 
gleichfalls durch einen mächtigen Zug perfönlicher Frömmig-
        

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