Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650605
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VIII. 
miL Wolgemut und 
Der Wettflreit 
frühen Kupferfliche. 
daraus dann eine Höhlung im F elfen geworden ift; felbft 
der höhere Verlauf des alten Umriffes von Schulter und 
Oberarm ift kenntlich, obwohl die Pentimenti durch tiefes 
Aufftechen der Schattenlagen verwifcht werden follten. Solche 
Unficherheiten find darum bemerkenswerth, weil fie gegen- 
über feiner fpäteren Art zu fchaffen feltene Ausnahmen lind. 
jenem Zwiefpalt der Formen fcheinen indefs auch venetia- 
nifche Einfiüffe nicht fremd gewefen zu fein. 
Noch von 1501 befremdet uns die Zeichnung eines halb 
liegenden, nackten, den Oberkörper auf den Ellenbogen 
Pcützenden Weibes, mit Feder und Pinfel auf grünem Grunde 
fein modelliert und weifs gehöht, in der Albertina. Darüber 
fteht von Dürers Hand die Auffchrift: vDaz hab' ich gfisyrtq, 
nebfi Jahreszahl und Monogramm. Schon der ausdrückliche 
Zufatz, dafs er diefen weiblichen Act vgevifieretx, d. h. nach 
der Natur gezeichnet habe, läfst vermuthen, dafs ihm diefe 
Art des Studiums damals noch nicht fo gewöhnlich war. 
Der Augenfchein lehrt auch, dafs ihm die Formen des ziemlich 
wohlgebildeten weiblichen Körpers bei aller Sorgfalt grofse 
Schwierigkeiten bereiten, namentlich gelang es ihm nicht, 
den Uebergang des Rumpfes in die Hüfte befriedigend zu 
löfen. Die Stellung der Figur und das feine lange Profil 
erinnern zwar im Allgemeinen an die Geftalten der Dejanira 
und Amymone in den Stichen, die Auffaffung der Einzel- 
formen mit allen ihren Zufälligkeiten ift aber eine ganz 
andere. Dürer läfst nur die Natur fprechen, fo weit er fie 
verfteht, aber keine Spur von einer conventionellen antiki- 
fierenden Formenfchönheit! Das fchematifche Ebenmafs, die 
berechnete Zierlichkeit, welche in den mythologifchen Figuren 
jener grofsen Stiche auch das Naturfiudium beherrfcht, indem 
es {ich an gegebene fremde Formen anlehnt, gerade diefe, heute 
fo gefällige Eigenthümlichkeit jener Blätter fcheint das Eigen- 
thunrdes alten Wolgemut zu fein. 
Nachdem aber Dürer feine vfreie Hand erlangte und 
{ich von der Leitung feines alten Meifters völlig losgefagt 
hatte, fand er rafch feinen Weg zur Vollendung. Ihm war
        

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