Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650548
228 
VIII. 
mit Wolgeinut 
Wettflreit 
frühen 
Kupferfliche. 
Frührenaiffance haben es mit der Unterfcheidung von Cen- 
tauren und Satyren genau genommen'). Hercules, als Hahn- 
rei gekennzeichnet, bedroht das Paar mit einem Knüttel, 
ebenfo wie die in der Mitte ftehende, unerklärte weibliche 
Figura). Diefe ift vielleicht blos zur Ausfüllung aus jener 
Zeichnung Dürers von 1494l1erübergen0mmen. Daher flammt 
auch das fliehende Kind. Selbft die fteife Haltung des Her- 
cules erklärt fich zum Theil aus der gegenfmnigen Ver- 
Wendung der Motive von Arm und Bein an dem anderen 
Weibe, das, von rückwärts gefehen, gegen Orpheus ausholt. 
Noch mehr! Auch jene obenerwähnten gleichzeitigen Zeich- 
nungen Dürers nach Mantegnas Kupferftichen haben Motive 
hergeben müffen. So entfpricht die Dejanira im Gegenfinne 
der von einem Triton auf dem Rücken geführten Nereide, 
links im Kampfe der Seegötter  Auch der Satyr mit feinem 
gequetfchten Profile, den zottigen Lenden, dem in Blattwerk 
auswachfenden Haupthaare findet fein Vorbild in Dürers 
Zeichnung nach Mantegnas Bacchanal mit dem Silen4). 
-Wie einfach läge nun die Sache, wenn wir wie bisher 
Dürers Kupferflich als eine Originalarbeit des jungen Meiflers 
anfehen könnten, dem alle jene auf der Reife gefammelten 
Copien als Studien gedient hätten! Das geht aber nicht an, 
denn der entfprechende Kupferfiich Wolgemuts nimmt trotz 
alledem und alledem die Originalität für {ich in Anfpruch, 
I) Vergl. v. Sallet, Kunflchronik 
VIII. 337; und Unterfuchungen über 
A. Dürer, 1761i Hans Sebald Beham 
bezeichnet einen Satyr mit einem 
Weib im Schofse, B. 108, als: 
DEIANIRA und NESSUS; Heinrich 
Aldegrevcr bildet die Gruppe ebenfo, 
B. 93, und fiellt auch fonfl: die Cen- 
tauren der Herculesmythe blos mit 
Bocksfüfsen dar, B, 92. Georg Penz 
bildet den Chiron, welchem Thetis 
den Achilles zur Erziehung übergiebt, 
B. 90, gleichfalls als Satyr mit dem 
Kinnbacken in der Hand, dabei 
die Auffchrifx: ACHlLLEM  HVNC  
MAGlSTRO- SVO  CHlRONE  x 543, 
Vergl. auch unten das X. Capitel 
über Dürers Satyrfamilie oder den 
wkleinen Satyna 
2) Vafari, ed. Lem. lX, 261, fpricht 
von einer Diana, welche eine Nymphe 
fchlägf, die (ich in den Schofs eines 
Satyrs geflüchtet, ganz aus eigener 
Erfindung, 
3) Nach Mantegna, Bartfch, Nr. l 7, 
4) Bartfch, Nr. 20. Vergl. oben 
S. I 15,
        

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