Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650187
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VII. 
Die 
Malerwerkflatt; 
Gefellen 
Fälfcher, 
und 
dem Nachlaffe eines Olmützer Erzbifchofs an Hrn. Karl 
Waagen in München gekommen fein und wurden von Defchler 
in Augsburg kräftigft reliauriert; das eine diefer Pendants 
erwarb dann Frankfurt, das andere, darftellend das Mädchen 
mit dem geflochtenen Haare, Mr. Wynn Ellis in London. 
Diefe Stücke nun für völlig verdorbene Originale halten zu 
wollen, bleibt freilich jedermann unbenommen, von Dürers 
Pinfel ift jedenfalls nichts mehr an denfelben wahrzunehmen. 
Doch auch das Oelbild der Fürlegerin in Lützfchena mit 
den dürftigen Leibesformen, den mangelhaften Händen, dem 
grünlich wäfferigen F arbentone, ift eine fpätere, noch un- 
gleich fchwächere Copie. Möglich wohl, dafs davon ein 
Original Dürers mit oder ohne Wappen der F ürleger ein- 
mal exiftiert hat; gegenwärtig entzieht fich daffelbe unferer 
Betrachtung. 
Dagegen iPc uns das DürerTche Original der fogenannten 
Fürlegerin mit den langen Haaren erhalten. Es ifi die 
betende Jungfrau in der königl. Galerie zu Augsburg, ein 
Tafelbild, mit dem ächten Monogramme und der Jahreszahl 
1497 bezeichnet. Obwohl ganz nach der Natur gearbeitet, 
läfst {ich die halbe Figur mit Sicherheit weder als ein Porträt 
anfehen, noch als ein Heiligenbild; es macht mehr den Ein- 
druck eines liebevoll ausgeführten Studiums. Klar und hell 
tritt die zarte jugendliche GePcalt aus dem fchwarzen Hinter- 
grunde hervor; fie hält das runde Köpfchen leicht gegen 
die linke Schulter geneigt, die grofsen, ftark gefchweiften 
Augenlieder niederfchlagend mit dem Ausdruck tiefer Andacht 
und ftiller Ergebung. Die fcharfen Umriffe, das Kantige der 
Profile erinnert noch an mantegnesken Einiiufs. Die leicht 
gefalteten Hände lind fein modellirt bis auf die Grübchen 
der Knöchel. Weifses Linnen umfchliefst den fchlanken 
Hals; das enganliegende Kleid ift von tiefem Roth und mit 
dunkelgrünen säumen eingefafst. Wangen und Lippen find 
roflg angehaucht; vorwiegend aber fcheint das Augenmerk 
des Meifters auf das reiche, goldblonde Haar gerichtet, das 
aufgelöft über beide Schultern bis an den Gürtel herabwallt.
        

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