Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1650067
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Malerwerkßatt; 
und Fälfcher 
Gefallen 
Eine fehr verwandte Compofition zeigt die fogenannte 
Holzfchuheffche Tafel in der St. Morizkapelle zu Nürnberg, 
nur liegt dort die Leiche in umgekehrter Richtung da und 
wird rechts von Johannes unterftützt; eine heilige Frau mit 
dem Salbegefafs bildet die Spitze der freier angeordneten 
Pyramide. Wie eine der Frauen im Münchener Bilde be- 
zeugt hier Magdalena links zu den Füfsen der Leiche ihren 
Schmerz durch Emporitrecken der ausgebreiteten Arme  
ein kühnes Motiv, das bei Dürer Wiederholt vorkommt und 
auf eine ähnliche Figur Mantegnas zurückzuführen ift. Der 
Ausdruck in den Köpfen ift fonfl mafsvoll, die Anordnung 
der Gewänder "zum Theil ganz vortrefflich. Die Leiche ift 
nicht fo dunkel und abfchreckend wie im Münchener Bilde. 
Doch läfst {ich das Colorit im Ganzen nicht beurtheilen, da 
das Gemälde fehr gelitten hat und in der Hauptgruppe ftark 
übermalt ift. Hie und da, wie auf dem Knie der Leiche 
find die fchwarzen Pinfelftriche der urfprünglichen Vor- 
Zeichnung unter der Farbenfchicht noch deutlich fichtbar. 
Stark ausgeprägt flnd auch die dunklen Umriffe fämmtlicher 
Geftalten und Köpfe, auch der kleinen, links unten knieenden 
Stifter, wie dies oberdeutfchen Schulbildern oft eigenthümlich 
ift. Viel beffer ausgeführt ift wieder die Landfchaft; fie 
zieht fich längs eines Fluffes in die Ferne, an welchem 
Thürme und Brückenbögen, röthlich angehaucht, und weiter 
noch die lichte Häufermaffe von Jerufalem fichtbar find; 
rechts ein fteiler dunkler Erdabhang, links der Calvarienberg 
in hellem Lichte. Wie noch deutlich erkennbar ift, wurde 
das Wappen der Holzfchuher bei den Stifterfigürchen aus- 
gekratzt und durch ein ideales erfetzt. Das Gemälde wan- 
derte aus dem Befitze der Familie Peller in die Sammlung 
Boiffereei), mit welcher es König Ludwig I. erwarb, um es 
Köpfchen gehört ohne Zweifel einer 
urfprünglich vorhandenen knieenden 
Stifterin an, und hat viel Aehnlich- 
keit mit drei weiblichen Köpfchen 
auf einer Zeichnung in der Aibertina, 
die zwar aus dem Nachlaffe Dürers, 
froher aber von der Hand Baldungs 
flammt. Vergl. Thauflng, H. Bal- 
dung Grien und nicht Dürer, jahrb, 
f. Kunfiw, II, 215. 
I) Lithogr. von Strixner und Berg- 
mann 1828.
        

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