Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649712
Bildniffe 
Frau. 
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Das Blatt hat zwar durch Reibung und vielleicht Näffe arg 
gelitten, doch laffen die klaren und beftimmten Strichlagen 
noch alle Formen deutlich erkennen; fie entfprechen voll- 
ftändig dem kleinen Köpfchen auf jenem Studium der 
Ambroflana, deffen Porträtrichtigkeit (ich daraus ergiebt. 
Selbftdie Stellung, dreiviertel links hin, ift diefelbe, nur 
erfcheint der Kopf mehr gehoben und die Augen, weit 
aufgefchlagen, fchauen geradeaus, ja faft etwas nach auf- 
wärts. Die Haube läfst noch einen Theil der hohen glatten 
Stirne und der ungewöhnlich hoch gefchwungenen Augen- 
brauen frei; der Rücken der äufserft wohlgeformten, etwas 
vorfpringenden Nafe zeigt in der Mitte eine fanfte An- 
fchwellung, die vollen üppigen Lippen fchliefsen {ich in einer 
zierlichen Doppelwellenlinie; darunter das Grübchen und 
ein kleines rundes Kinn, das fanft in die Fülle der Wangen 
und in einen Anfatz zum Doppelkinne verläuft. Denken 
wir uns diefe Frau an die Seite Dürers, wie er flch uns in 
dem Münchener Selbfiporträte darftellt, und wir werden 
zugeflehen, dafs wohl niemals ein fchöneres Paar durch die 
Brautthüre bei S. Sebald gefchritten ifl. 
Und diefes ftattliche Paar war auf dem befien Wege, 
einem künftigen Gefchlechte zum Gegenftande des Spottes 
oder Mitleides gemacht zu werden; feine Ehe ward zu einem 
fprichwörtlichen Mifsverhältniffe gefiempelt, ähnlich dem 
zwifchen Sokrates und Xanthippe. Ein einziger Anhalts- 
punkt genügte einer unkritifchen, fpiefsbürgerlichen Gefchicht- 
fchreibung wie zur Anknüpfung fo auch zur Ausfpinnung 
der landläufigen Sage von Dürer und feinem böfen Weibe. 
Wir kennen ja die Scheelfucht jener artiftifch-litterarifchen 
Kreife, denen die längfie Zeit alle Ueberlieferung von 
Künfilernachrichten überlaffen blieb. Wo fie an die Werke 
nicht heran konnten, da entfchädigten {ie {ich an der Perfön- 
lichkeit der alten Meißer, die ja faft alle, von Perugino bis 
Rembrandt, mehr oder minder Unglimpf erfahren mufsten. 
Wo aber, wie bei Dürer, der Charakter des Mannes über 
alle Verläumdung erhaben war, da mufste wenigftens ein 
Thaufing, Dürer. 10
        

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