Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649705
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Hausftand, 
und 
Heirath 
hervor, und von den Achfeln fielen ärmelartige, aber offene, 
mit weifsem Rauchwerk gefütterte und verbrämte Flügel 
bis über die Schleppe herab, wenn fle nicht über die 
gehobenen Vorderarme heraufgefchlagen wärenn Aus diefer 
Kleidung ergiebt ilCh von felbit, in welch' mafsvollen, ver- 
niuthlich fehr getragenen Formen {ich das Tanzvergnügen 
der befferen Stände damals bewegte l). Die technifche Aus- 
führung diefer Blätter zeugt von einem feltenen Gefchick 
in der Behandlung der Wafferfarben. Das Verfahren ift 
infofern ganz eigenthümlich, als die Figuren urfprünglich 
mit der Feder ganz leicht vorgeriffen find; darauf flnd die 
Farben bei wiederholtem Auftrage mit dem Pinfel fo auf- 
gefetzt, dafs die weifsen Lichter breit ausgefpart bleiben; 
endlich lind die Conturen mit der Feder kräftig übergangen 
und verftärkt. Diefe befondere Art des Zeichnens ift wohl 
daffelbe, was Dürer im niederländifchen Tagebuch amit 
halben färblein und geriffenq nennt. 
Aus diefen drei Trachtenbildern lernen wir freilich, ab- 
gefehen von dem Mailänder Blatte, mehr die Garderobe 
der jungen Frau Agnes kennen, als fie felbPc, oder doch 
zumeifl nur ihre {tattliche Geiialt, wenn diefelbe auch durch 
die etwas herausgebogene Mitte jene gefchwungene Haltung 
annimmt, die unferem gerade entgegengefetzten Gefchmacke 
fremdartig erfcheint. Immerhin mag doch die Entftehungs- 
gefchichte diefer F rauenbilder auf die Lebensverhältniffe 
der jungen Gatten einiges Licht werfen. In voller Ent- 
wickelung und in der Blüthe ihrer Schönheit aber zeigt uns 
Dürer feine Frau in einer Silberltiftzeichnung mit der Jahres- 
zahl 1504 und mit der Auffchrift: w Albrecht Dürerim 2). 
Figuren {ind abgebil- findet fich in B, Hausmanns Samm- 
det in v. Hefner-Altenecks Trachten- Jung, gegenwärtig bei dem Erben, 
buch III. Tafel 25 u. 26, und in H, Dr, Blafius in Braunfchweig; in 
Farbenholzfchnitt von F, W. Bader: Holzfchnitt reproduciert in unferer 
Trachtenbilder von A, Dürer in der franzölifchen Ausgabe, Tafel zu. S. 
Albertina, Wien 1871. 108; unfere Initiale an der Spitze 
2) Die äufserft forgfältig behan- diefes Capitels enthält eine verklei- 
delte, nur leider {tark befchädigte nerte Nachbildung des Kopfes, und 
Zeichnung in halber Lebensgröfse be- zwar im Gegenfinne,
        

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