Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649480
Landfchaftsmalerei. 
Wanderfchaft und 
töne gegeben, als hätte es fich hier geradezu um ein Studium 
von Lichteffecten gehandelt; und das alles ilt fo richtig 
gefehen, fo" frifch und keck hingeworfen, dafs der Befchauer 
flch davon angeheimelt fühlt und die Jahrhunderte vergifst, 
die zwifchen der Aufnahme der Skizze und feiner Be- 
trachtung liegen. 
Gerade diefe landfchaftlichen Studien nach der Natur 
gehören zu jenen Arbeiten Dürers, die feiner Zeit weit voran 
eilen, oder anders fxch über deren Beftrebungen zu jenem 
unbefangenen Realismus erheben, der allen Zeiten gleicher- 
weife verfländlich ifl. Es weht darin etwas von der frohen 
Empfindung, mit welcher der deutfche Städter aus feinen 
engen Mauern unter Gottes freien Himmel hinaustrat, von 
jener Ofterfeiertagsflimmung, die Goethe im Fauft gefchildert 
hat, von der Freude der mittelalterlichen Menfchheit an der 
Wiederentdeckung der lange entbehrten Natur. In Dürer 
erwacht der moderne Menfch, der in der Landfchaft das 
Gegenbild feiner Gemüthsflimmung fleht, in ihrem Anfchauen 
einen Quell feelenbefreiender Wirkungen findet. 
Die lrVanderfchaft führte Dürer fo zur forgfaltigeren 
Beobachtung der ftets wechfelnden Umgebung und offen- 
barte ihm die Luft an der blofen Naturerfcheinung in jenem 
ruhigen Beharren, in dem jeglich Ding nur fein eigenes 
Leben athmet. Und was er draufsen in der Welt von der 
Meifterin Natur gelernt hatte, das liefs ihn auch nach feiner 
Heimkehr nicht ruhen. Die unfreiwillige Mufse, welche dem 
jungen Meifler in den erllen Jahren vergönnt fein mochte, 
benutzte er fleifsig zu kleinen Studienreifen in der Umgebung 
der Vaterfladt. So fehr es den Deutfchen auch nach der 
Ferne zieht, Dürer wäre nicht der Erlle und nicht der 
Letzte gewefen, der in der Fremde die Heimath erft recht 
lieben gelernt hätte. In einer Reihe zierlicher Anfichten von 
Nürnberg und feiner Umgegend hat Dürer feiner Neigung 
Ausdruck gegeben. Diefelben fchliefsen fich völlig den oben 
befchriebenen Landfchaften aus den Wanderjahren an, lind 
meift mit derfelben emfigen Sorgfalt in Wafferfarben aus-
        

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