Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649378
Studien aus 
Venedig, 
113 
Blicke, den Dürer, heimgekehrt, für den Kaifer auf der 
Marter des heil. Johannes in der Apokalypfe verwendet hat, 
wo er folgerichtig im Gegenfinne erfcheint. Ein eigenthüm- 
liches Analogon zu dem obgenannten Chrifikinde bietet die 
forgfältig ausgeführte, weifsgehöhte Zeichnung eines folchen 
Chrilikindes in gröfserem Mafsfiabe im Befxtze des Barons 
F. Schickler in Paris. Es ift eine treue Copie des Kindes, 
wie es in mehreren Bildern Lorenzo di Credfs rechtshin 
gewandt vor der anbetenden Madonna auf dem Boden liegt. 
Unten die Bezeichnung mit der Feder 21 3B 1495, alfo bald 
nach der Heimkehr aus Venedig'). 
Ein fchwebender Amor von kräftigen Formen mit einer 
Art Dracheniiügeln, die Elenthiergeweihen gleichen, im 
Kunftbuche der Ambrafer Sammlung in Wien, dürfte eben- 
falls diefer Zeit angehören. Er ift eben im Begriffe, feinen 
Pfeil abzufchiefsen, und blickt dabei unter dem feine Stirn 
umhüllenden Tuche empor. Die getufchte Federzeichnung 
erinnert Pcark an die Schule Mantegnas. Ob und wo Dürer 
etwa Gelegenheit fand, Malereien diefes Meifters zu fehen, wiffen 
wir nicht. Dafs er Padua damals befucht hat, ifi wahrfcheinlich, 
wenn auch nicht beglaubigt. Mantegna war indefs längfi nach 
Mantua übergefiedelt; er hätte ihn daher dort ebenfo wenig 
perfönlich kennen gelernt, wie im Jahre X506, wo der plötz- 
liche Tod des greifen Meifiers feine Abficht, ihn in Mantua 
aufzufuchen, gekreuzt haben foll. Dürers Beziehungen zu 
Mantegna haben eine merkwürdige Analogie mit feinem 
Verhältnifs zu Schongauer. Unter allen feinen Vorläufern 
find es wohl diefe beiden Männer, die er am höchflen ver- 
ehrte; es find die einzigen Küniiler, von denen uns über- 
liefert wird, dafs der junge Dürer die perfönliche Bekannt- 
fchaft mit ihnen erfehnt und gefucht habe. Beidemal verfagte 
ihm das Schickfal feinen NVunfch mit einer Beharrlichkeit, als 
hatte es jeden übermächtigen Einflufs von Dürer abwehren 
wollen, damit in ihm eine felbfiändige und dritte Gröfse 
1) Abbildung in 
Thaufing, Dürer. 
Dürer 
 Quantin, 
Tafel
        

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