Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649358
Venedig. 
Studien 
III 
dem deutfchen Wanderburfchen damals nicht in dem Mafse 
klar werden, wie wir fie heutzutage aus objectiver Ferne 
zu unterfcheiden vermögen. Im Ganzen war es doch wohl 
ein ziemlich unbeftimmtes Etwas, was Dürer im Jahre 1494 
als antik und ehrwürdig bewunderte. Und fo kam es, dafs 
er in Venedig neben Mantegnas Kupferflichen auch noch 
Kunftwerlqe nachahmenswerth fand, die in ihrer Stilrichttlng 
hinter der claffifchen Objectivität Mantegnas ebenfo weit 
zurückblieben, als fie durch Pathos und empündfame Be- 
lebung der nordifchen Gefchmacksrichtung wahlverwandt 
entgegenkamen. Die Belege für diefe Aufklärungen liefern 
uns, in Ermangelung anderer Werke Dürers aus jener früheren 
Zeit, die Blätter feines Skizzenbuches von grofsem Format, 
deren f1ch glücklicher Weife einige erhalten haben. Eines 
derfelben in der Albertina zeigt auf der linken Hälfte des 
Bogens den figurenreichen Entwurf zu einem Raube der 
Europa nach Lucians Befchreibung. Das Motiv der Haupt- 
gruppe mit dem mageren Rinde und der auf feinem Rücken 
knieenden Europa ifl äufserft unbeholfen erfunden. Um fle 
her fchwimmen auf verfchieden geformten F ifchen Nereiden 
und Genien; dazwifchen geflügelte Engelsköpfchen wie 
Cherubim, im Hintergründe eine Gruppe der verzweifelnden 
Gefpielen, ähnlich wie auf  dem Kupferfiiche, genannt das 
Meerwunder oder der Raub der Amymone. Die kleinen 
Nebenfigtiren, wie das Satyrpaar links vorne im Schilfe, 
find durchweg glücklicher aufgefafst und zum Theil von 
einer Anmuth, die italienifche Mufter vorausfetzen läfst; doch 
fcheint die Compofition Dürern felbPt anzugehörerl. Mit 
derfelben Feder hat er aber auch die rechte Hälfte des 
Blattes mit verfchiedenen Studien nach venetianifchen Vor- 
bildern bedeckt. Oben zunächft die Aufnahme eines Löwen- 
kopfes von drei Seiten, die wir am Schluffe des Capitels 
wiedergeben. Das Original ü": einer jener zwei vLeoncinia 
oder Löwchen aus rothem Marmor, die heutzutage links 
von der Marcuskirche aufgeftellt find und dem Platze dort 
den Namen Piazzetta de" Leoni geben. Wo diefelben zu
        

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