Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649280
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Wanderfchaft und Landfchaftsmalerei. 
böte fich zur Noth noch manche andere Erklärung. Doch thut 
ja Dürer in feinem Briefe vom 7. Februar 1506 aus Venedig 
feines früheren Aufenthaltes dafelbft ganz ausdrücklich Er- 
wähnung. Die Art, wie er Giovanni Bellinis dort gedenkt, 
deutet allerdings darauf hin, dafs er denfelben erft damals 
kennen, oder doch erft fchätzen gelernt habe. Dann fchreibt 
er weiter von ihm: iEr ift fehr alt und ift noch der bePce 
in der Malerei; und das Ding, das mir vor eilf Jahren fo 
wohl gefallen hat, das gefallt mir jetzt nicht mehr, und 
wenn ich's nicht felbft fahe, fo hätte ich's keinem andern 
geglaubtr. Ding iPc in Dürers Sprache ein Collectivbegriff 
und bedeutet hier, wie an manchen anderen Stellen, die 
Arbeiten, Werke, d. i. Kunftwerke 1). Nun, das Gefchmacks- 
urtheil, deffen Abänderung er {ich nur auf Grund eigener 
Anfchauung zutraut, mufs er (ich doch wohl auch zuvor mit 
eigenen Augen gebildet haben; und die Angabe der Zeit, 
wann dies gefchah, Ptimmt zur Genüge mit unferen fonftigen 
Anhaltspunkten überein. Wenn fich Dürer noch 1494 in 
Venedig befand und erwiefenermafsen bereits I5o5 wieder 
dahin zurückkehrte, fo durfte er im Allgemeinen den Zeit- 
raum, der zwifchen feinen beiden entgegengefetzten Auf- 
faffungen lag, auf eilf Jahre anfetzen. Der natürlichfte 
Gedankengang läfst hier die Zeit des Gefmnungswechfels 
als Termin erfcheinen und nicht das zufällige Datum eines 
Briefes, von dem man überdies keine diplomatifch genauen 
Daten ewarten wird 2). 
Wenn die beiden obenerwähnten Malereien auf Perga- 
ment 'vom Jahre 1493 noch auf deutfchem Boden angefertigt 
wurden, und Dürer bereits zu Pfingften 1494 heimkehrte, 
fo kann er nicht lange in Venedig verweilt haben, jedenfalls 
nicht lange genug, um fich in den verfchiedenen, entgegen- 
l) Dürers Briefe 6, l 5 und An- 
merk. zu 6, 5. 
2) Chrifloph Scheurl wufste wohl 
vom erilen Aufenthalte Dürers in 
Venedig, wenn er I 506 in Lib. de 
laud. Germ. von ihm fchreibt: ßQui 
quum nuper in Italiam rediisset, 
tum a Venetis, tum a Bononiensibus 
artificibus, me saepe interprete, con- 
salutatus est alter Apellesw
        

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