Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Thausing, Moriz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1647765
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1649240
IOO 
Landfchaftsmalerei. 
Wan derfchaft und 
erinnert noch, an die Art Wolgemuts in den Städteanfichten 
der Weltchronik; der Ausfchlufs jeder Willkür aber und die 
treue Wiedergabe der Einzelheiten kennzeichnet einen wei- 
teren Fortfchritt des Naturfludiums. Auf dem einen der 
beiden Gegenftücke iPc die Luft weifs geblieben, auf dem 
andern ift der Himmel mit fchweren Wolken bedeckt, die 
durch eine fchräge Abendbeleuchtung undurchfichtig er- 
fcheinend ein eigenthümliches magifches Reflexlicht erzeugen. 
Das ungewöhnliche Schaufpiel ifl: der Natur glücklich ab- 
gelaukht und ftimmt mit dem grau gehaltenen Grundtone 
des Ganzen zufammen. Wie die meiflen Landfchaftsfludien 
Dürers tragen auch diefe beiden Aquarelle keine Jahreszahl, 
fondern nur das fpäter erPc beigefügte Monogramm. 
Ohne dafs wir angeben könnten, wo Dürer das Jahr 
149 3 zugebracht hat, find uns gerade aus diefem zwei Werke 
von feiner Hand erhalten. Das eine ift die in Tempera auf 
Pergament ausgeführte Miniatur, der Jefusknabe mit halbem 
Leibe unter einer F enfterwölbung, in der Albertina. In ein 
faltenreiches Hemdchen gekleidet, blickt er, den Kopf em- 
pfindfam zur Seite geneigt, lächelnd empor, das auf der 
Feniterbrüftung ruhende Händchen hält eine goldene Kugel. 
Das kurzgefchorene blonde Haar, die bläulichen Augen, die 
etwas grofsen Ohren und die gewölbte {teile Stirn verrathen 
das deutfche Modell, deffen Eigenthünllichkeiten mit grofser 
Unbefangenheit beibehalten lind. Das kleine Bildchen ift 
bis zu erfiaunlicher Feinheit und Rundung durchgeführt und 
macht, in grüne Laubftäbe eingefafst, einen rührend lieblichen 
Eindruck. Leider hafteten die Temperafarben fchlecht auf 
der Haarfeite des Pergaments und fxnd deshalb zum Theil 
abgefallen. Mehr Unbill noch mufste das gleichfalls auf 
Pergament gemalte gröfsere Selbflbildnifs erfahren, das Dürer 
im felben Jahre vollendet hat und wovon im nächiten Capitel 
die Rede ift. 
Was Dürer damals am Rheine und insbefondere in der 
Schule Schongauers vorfand, konnte wenig Einflufs auf feine 
Kunßrichtung gewinnen. Die Malweife dafelbPc war von
        

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