Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660077
Abschnitt. 
Goldschmiedekunst. 
der 
Werke 
Die 
wir im Ritterspiel des späteren Mittelalters: Der Ritter erschien wohl 
zum Stechen mit einem Goldreif, der, über dem Ellbogen getragen, 
eine Devise oder ein Attribut enthielt; auch wurde wohl der besiegte 
Kämpfer mit einem derartigen Ring, welcher zugeschlossen wurde, 
gefesselt und musste dies Zeichen seiner Niederlage während einer 
bestimmten Zeit oder so lange tragen, bis ihm die Dame begegnete, 
welche den Schlüssel zu seinem Reif besafs. (Viollet-le-Duc, D. 
d. M. III, p. 68). 
Die soeben erwähnten goldgestickten Borten, die ein wesent- 
liches Element der Bekleidungskunst während des ganzen Mittelalters 
und eines Teiles der Renaissancezeit bilden, dürfen uns ebenfalls hier 
kurz beschäftigen, insofern ihre Ausstattung mit Goldtlittern, Steinen 
und Perlen sie ebenfalls dem Geschmeide zuweist. Die letzteren be- 
sonders werden mit Vorliebe aufgenäht, sowohl um den Grund aus- 
zufüllen wie als begleitende Konture. Von der Anwendung farbiger 
Steine berichten uns zahlreiche Skulpturen jener Zeit in deren Gewand- 
säumen sich noch farbige Glasstücke eingesetzt finden. Das Auf- 
setzen von Ornamenten aus dünnem Goldblech scheint erst im 
I5. Jahrhundert aufgekommen zu sein, während bis dahin die Gold- 
zeichnung nur durch Sticken mit Goldfaden erzielt wurde. 
Ebensowenig wie von Armbändern weifs das Mittelalter von 
Ohrringen, und auch hierfür müssen wir den Grund in der Mode 
suchen, welche fast während der ganzenuns beschäftigenden Zeit- 
periode den Frauen eine Haartracht vorschrieb, die an den Seiten 
lang über die Ohren herabfiel, oder Schleier, die ebenfalls den Ohr- 
schmuck dem Auge entzogen haben würden. Nur als zu Ende des 
I4. Jahrhunderts vorübergehend eine Haartracht aufkam, welche das 
Ohr freiliefs, finden wir an den Statuen auch den Ohrschmuck, doch 
nur als kurze am Ohrläppchen befestigte Perlen oder tropfenförmige 
Steine gebildet. 
Was den Gebrauch und die Form des Fingerringes im Mittel- 
alter betrifft. so behält derselbe zunächst seinen symbolischen Charakter, 
von welchem oben bereits die Rede war. In diesem Sinne dient er 
als Zeichen der Machtübertragung, Einkleidung zu einem Amte, 
Schliefsung des Ehebundes und namentlich als Siegelring. Doch be- 
weist das Vorkommen zahlreicher Ringe ohne Siegel oder sonstiges 
Abzeichen, dass derselbe auch als reines Schmuckstück im Mittelalter 
verbreitete Anwendung gefunden hat. Hinsichtlich der Form bewahren 
die Hirtenringe der höheren Geistlichkeit eine besonders schwerfällige 
Gestalt; die Siegelringe haben häufig einen geschnittenen Stein in 
Kastenfassung, der entweder an einem dünnen Draht oder einfach 
glatten Reif gehalten wird oder eine künstlerische Ausbildung der 
Verbindungsstelle aufweist. In der gothischen Periode sind die Siegel 
oft nur in das Metall graviert, welches sich zu diesem Zwecke stark 
verdickt; die kantige Fonn des Reifs bereitet dann die achteckige
        

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