Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1660023
Das 
Geschmeide. 
Im Mittelalter. 
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am Rande des weit klaffenden Mantels angesetzten Schmuckstücken, 
den Tasseln, besteht, die durch Schnüre, bei zeremoniellem Kostüm 
auch wohl durch ein breites, mit Edelsteinen besetztes Metallband 
verbunden sind. (S. auch a. a. O., Taf. 113.). In späterer Zeit scheint 
dann allerdings das in Rede stehende zentrale Schmuckstück seinen 
Platz auf einer Mantelseite erhalten zu haben und als Schliefse des 
Mantels benutzt worden zu sein, wie wir ebenfalls aus zahlreichen 
Abbildungen und Grabsteinen entnehmen können. Zu gleichem 
Zwecke diente es schon früh, als noch der Mantel in antiker Tra- 
dition auf der rechten Schulter geschlossen wurde. Endlich finden 
Wir es angebracht um den seitlichen Schitz, der das lange Obergewand 
vom unteren Saum bis zur Hälfte des Oberschenkels öffnete, zu be- 
endigen. 
Ohne dass versucht werden soll, die verschiedenen Formen dieser 
Agraffen eingehender zu beschreiben, sei auf ein sehr schönes Bei- 
spiel hingewiesen, welches, vielleicht noch aus dem II. Iahrhundert 
stammend, sich im Kabinet der Medaillen zu Paris beündet (abge- 
bildet bei Viollet-le-Duc, Dict. du mob. III, p. 7) und in einer 
zarten, mit Rubinen und Saphieren besetzten Fassung eine schöne 
antike Kamee enthält. Diese Anwendung antiker geschnittener Steine, 
der zu Liebe manches alte Reliquiar und mancher Bucheinband ge- 
plündert wurde, dauert von der Karolingerzeit bis ins I 3. Jahrhundert, 
verschwindet dann jedoch, um erst wieder mit der beginnenden Re- 
naissance aufzutauchen. Vom I2. Jahrhundert an, als die Kunst des 
Grubenschmelzes in Kupfer (champleve) am Niederrhein, in der Maas- 
gegend und schliefslich in Limoges Verbreitung fand, begegnen wir 
dieser Technik häufig auch bei unseren Schmuckstücken. Beispiele, 
welche deutlich das Aufnähen durch eingebohrte Löcher oder durch 
untergelötete Ösen verraten, besitzen viele Museen. S0 hat das Ken- 
Sington-Museum zwei durchbrochene, mit Email verzierte Bronze- 
Agraifen aus dem I 3. jahrhundert (dargestellt in Etchings etc., Bd. V), 
Zwei ebenfalls durchbrochene aus der zweiten Hälfte des I5. Jahr- 
hunderts, im Nationalmuseum zu München befindliche teilt Hefner- 
Alteneck, Taf. 136, mit. Spätere Beispiele (I4. Jahrhundert) aus dem 
fürstl. Museum in Siegmaringen finden sich ebenda Taf. 162; die- 
selben zeichnen sich durch die Monogramme von Maria und Jesus 
aus und haben oben Ösen, welche auch die Bestimmung als Ketten- 
anhänger vermuten lassen. 
Verwandt mit dem Fürspan und in ihrer Bildung ganz gleich 
sind die runden Agraifen, welche auf dem über der Rüstung getragenen 
Wappenrock oder Lendner (cotte) in der Höhe der Brustwarzen be- 
festigt waren und zum Anhängen der Ketten dienten, an welchen 
Schwert und Dolch, zuweilen auch der Stechhelm befestigt waren. 
Deutsche Grabsteine ergeben eine Menge Beispiele für dieses Schmuck- 
stück, das in einzelnen Fällen (s. Grabstein Hartmanns v. Kroneberg,
        

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