Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659987
Das 
Geschmeide. 
Im Mittel alter. 
und andere Edelmetallarbeiten, sondern umfasste auch golddurchwirkte 
Prunkstoffe, Stickereien, die mit Edelsteinen und Perlen besetzt waren 
und andre Requisiten, welche das Ornat der abendländischen Herrscher 
und Kirchenfürsten dem Prunk des byzantinischen Hofes entlehnt. 
Vom 12. Jahrhundert an scheint dann, wie wir aus den Leistungen 
deutscher Werkstätten in Bronzeguss-, Gold- und Silberarbeit, Filigran 
und Email schliefsen dürfen, das Abendland sich auch in seinem Ge- 
schmeide dauernd vom Osten unabhängig gemacht zu haben. 
Überblicken wir die Erscheinungen, welche uns das abendländische 
Mittelalter nun auf diesem Gebiete liefert, so können wir den allge- 
meinen Eindruck etwa so präzisieren: Der gesamte Schmuck aufser 
Ringen, Ketten nnd Kronen gibt seine selbständige Existenz insofern preis, 
als er am Kostüm befestigt, aufgenäht erscheint; bei weitem das Meiste, 
Was uns aus dieser Zeit erhalten ist, besteht in Knöpfen, Schliefsen, 
Agraffen, Gürtel- und Kleiderbesätzen, Goldpassementerien, mit Perlen 
und Steinen durchwirkt. Dabei lernen wir hinsichtlich der Form die 
Zentrale Bildung als durchaus vorherrschend kennen. Sehr oft 
haben diese quadratischen oder kreisrunden Stücke einen Edelstein 
Zum Mittelpunkte, um welchen sich das Ornament rosettenartig herum- 
gruppiert. Die Formen bleiben schwer und massig, der Einfluss des 
Morgenlandes auf dieselben wird durch die Kreuzzüge lebendig er- 
halten: Vom I3. Jahrhundert an vollzieht sich mit dem Auftreten 
der Gothik hierin eine Anderung: die Formen werden schlichter und 
straffer, in ihrer Ausführung meist eleganter und mehr durchgearbeitet. 
Jetzt gewinnt auch das Filigran häufigere Anwendung, doch weifs man 
ihm durch eine ä jour-Behandlung, bei welcher nur einzelne Punkte 
auf den Grund aufgelötet werden, der übrige Teil aber hochliegt, eine 
reichere und mehr malerische Wirkung zu geben. Das Ernail, welches 
bisher häufig Verwendung fand, wird von Mitte des 13. Jahrhunderts 
an fast nur auf den Schmuck des priesterlichen Ornates beschränkt, 
wie denn überhaupt das letztere die Tradition eines reicheren Gold- 
und Edelsteinschmuckes aufrecht erhält, während sich im Profankostüm 
ein Rückschlag zu gröfserer Einfachheit vollzieht. Aber schon im 
I4. Jahrhundert kehrt die Freude am Geschmeide auch in das 
Laienkostüm zurück und gewinnt am französischen Hof unter Karl V. 
und Karl VI. eine Ausdehnung, die an Uebertreibung streift. Noch- 
mals durch die unglücklichen Kriege mit England zurückgedrängt, 
erreicht sie ihre Höhe in dem Kostüm des burgundischen Hofes, der 
wie in der Mode überhaupt so auch im Geschmeide vorübergehend 
für alle nordeuropäischen Länder tonangebend wird. 
Wir beginnen die Betrachtung der einzelnen Geschmeidegattungen 
des Mittelalters am besten mit dem am meisten vertretenen Stück, dem 
Fürspan, einem Schmuckstück, welches auf der Mitte der Brust 
befestigt wurde und am ersten mit der modernen Brosche verglichen 
werden kann, mit dem Unterschied jedoch, dass es ursprünglich nicht
        

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