Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659955
Abschnitt. 
Goldschmiedekunst. 
der 
Die Werke 
Kenntnis des Schmuckwerkes vom II. bis zum I5. Jahrhundert im 
wesentlichen aus bildlichen Darstellungen der gleichzeitigen Kostüme 
schöpfen, wie sie uns in der Miniatur-, später der Bildnismalerei und 
auf den figurierten Grabsteinen dieser Zeit geboten werden.  
Für die Gestalt des Geschmeides bei den eingesessenen Völkern 
der nördlichen Länder Europas vor der Völkerwanderung geben die 
Gräberfunde, wie erwähnt, einen ziemlich sicheren Anhalt. Der 
Schmuck war zahlreich, bei Männern und Frauen ziemlich gleich. 
Das Material war Silber und Gold, sehr häufig jedoch auch vergoldete 
Bronze, die Technik der Tauschierung mit Gold- und Silbereinlagen 
in Bronze und Eisen kommt nicht selten zur Anwendung. Von leb- 
haften Handelsbeziehungen mit Byzanz geben alle diese Gräberfunde 
Zeugnis; zahlreiche derselben legen uns durch die Art ihrer Arbeit 
die Annahme nahe, dass im oströmischen Reich derartiger Barbaren- 
schmuck für den Export gearbeitet wurde. Über eine neuere Hypothese, 
wonach der Einfluss auf die altnordische Goldarbeit nicht von Byzanz, 
sondern von den golderzeugenden Ländern an der Nordküste des 
Schwarzen Meeres ausgegangen wäre, findet man das Nähere im 
folgenden Abschnitt. Am meisten nationales Gepräge tragen noch 
die Armringe (Bangen oder Bougen), über deren Einfluss auf den 
Schmuck des späteren Römerreichs schon oben gesprochen wurde. 
Diese zur Ausrüstung des Kriegers wie zum Schmuck der Frauen 
gehörigen, meist spiraligen Ringe dienten ebenso wie die Halsringe 
im gegebenen Falle als Münze, indem Stücke des Edelmetalls abge- 
brochen und verausgabt wurden. In diesem Sinne rühmen altnordische 
Gedichte die Freigiebiglzeit der Helden mit dem Namen „Baugen- 
brecher". Weitere Formen des Ringschmucks sind die erwähnten, 
oft gedrehten Halsringe (torques), die eng um den Hals schlossen, 
und Halsketten, die sich oft mit oströmischen Münzen behangen 
finden. Die Kopfringe sind meist nur schmale, zum Zurückhalten 
der Haare dienende Reifen, manchmal mit verbreiterter Stirnseite. 
Die Fingerringe sind den heutigen ähnlich, nicht selten mit Inschriften 
versehen; auch die spiralige Form kommt vor. Verhältnismäfsig grofs 
ist die Zahl der Spangen und Nadeln, welche aus dieser Zeit erhalten 
sind; ihre Form entspricht meist der altrömischen, mit dem charakteri- 
stischen Bügel zur Aufnahme der StoH-Falte. Doch finden sich auch 
Erweiterungen der aufliegenden Enden in dreieckiger, halbmond- 
förmiger und sonstiger Gestalt, die eine von der antiken abweichende 
Ornamentierung zeigen. Diese besteht bei dem altnordischen Ge- 
schmeide in jenem merkwürdigen Geflecht von Bändern und Tier- 
leibern, welches man geneigt sein könnte, für ein uralt indogerma- 
nisclies Ornarnentmotiv zu halten. Besonders häufig findet sich dies 
auf den Reifen der schnallenartigen Ringnadeln sowie bei zentral 
gebildeten Schmuckscheiben, die als Broschen, Agraffen oder als 
Gürtelbesatz aufzufassen sind.
        

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