Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Gold und Silber
Person:
Luthmer, Ferdinand
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1658998
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1659891
Abschnitt. 
Werke 
Die 
der Goldschmiedekunst. 
schliefsbare Medaillon, welches als Mittelstück der Kette angefügt 
wurde, hat wohl immer diese symbolische Bedeutung, indem es zur 
Aufnahme eines auf Pergament geschriebenen oder in Goldblech ge- 
ritzten Zauberspruchs dient, seltener wohl zu Wohlgerüchen. Doch 
sind solche besondere Anhänger überhaupt nicht häufig, Mittelstücke, 
wie wir sie beim Goldschmuck der Renaissance ünden werden, über- 
haupt ungebräuchlich. 
Die einfache Kette, mochte sie mit Gehängen versehen sein oder 
nicht, hiefs Monile; der Luxus der späteren Zeit verdoppelte und ver- 
dreifachte die Kettenreihen, die durch einzelne durchgreifende Glieder 
miteinander verbunden waren; sie hiefsen Dilinum und Trilinum. 
Neben diesen beweglichen Ketten waren auch solche aus festen Blech- 
gliedern in Gebrauch, die durch Scharniere verbunden und auf ihrer 
Oberfläche mit Filigran, getriebener Arbeit oder aufgesetzten Steinen 
verziert waren. Wiesen die bisherigen F ormen fast ausnahmslos auf 
die uralten Beispiele hin, die wir schon bei den Ägyptern gefunden 
hatten, so kommt mit der gedrehten Kette, Torques, der EinHuss der 
nordischen Barbaren, vielleicht vermittelt durch gallische Kohorten, 
in den römischen Schmuck. In sehr mannigfacher Form tritt auch 
die Torques auf, vom einfachen, zusammengewundenen Draht bis zum 
vielgliedrigen, unseren "Panzerketten" entsprechenden Ringgeiiecht. 
Als Schliefsen oder Endigungen kommen hierbei u. a. an einem Bei- 
spiel des taurischen Fundes kleine F iligranhülsen vor, welche in sehr 
schön gearbeitete Pferde endigen, die von skythischen Reitem geritten 
werden; bei einer Kette in der Nationalbibliothek zu Paris (Samm- 
lung Luynes) bilden die Endigungen zwei Widderköpfe von Granat, 
die in eine Art Gebiss von Golddraht eingeschlossen sind. 
Eine viel beschränktere Anwendung als beim Kopf- und Hals- 
schmuck findet die Goldarbeit bei dem Gürtel, der bekanntlich einen 
wichtigen Teil der Männer- und Frauentracht gebildet hat. Doch 
scheint derselbe vorwiegend aus weichen Bändern gebildet worden zu 
sein, die wohl bei erhöhtem Luxusbedürfnis mit Goldverzierungen 
besetzt wurden. Bemerkenswert ist es jedenfalls, dass die einzige 
mit einiger Sicherheit als Gürtel zu erkennende Goldschmuck-Gattung 
durchaus die Bildung textiler Vorbilder nachahmt. Ein schönes, aller- 
dings noch als Halskette bezeichnetes Beispiel besitzt das Berliner 
Museum (Fig. 24, 1). Hier bildet der Gurt ein breites, aus Golddraht 
neunsträhnig gewundenes Band, welches nicht lang genug ist, um den 
ganzen Körper zu umschliefsen, sondern hinten an zwei aufgesetzten 
Hülsen Drahtöhre enthält, die zum Durchziehen einer Schnur dienten, 
welche den hinteren Teil des Gürtels bildete. Vorn in der Mitte 
verschlingen sich die Drahtbänder zu einem herakleischen Knoten 
(Schifferknoten), dessen offene Mitte durch eine aufgesetzte Rosette 
mit zwei seitwärts angesetzten Palmetten verdeckt wird. Bezeichnend 
sind die aus sieben Kettchen mit angehängten Knöpfen gebildeten
        

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